Links und Rechts
October 20th, 2007Paul fragt auf NBFS nach einem Links-Rechts Brainstorming. Also: was meinen wir eigentlich, wenn wir von “links” oder “rechts” sprechen?
Ich habe mir mal Gedanken darüber gemacht, was ich meine, wenn ich “links” oder “rechts” sage. Und was ich mit links oder rechts frei assoziiere. So ist auch die folgende Tabelle zu verstehen. Sie ist subjektiv, unvollständig, teilweise eher assoziativ und nicht an allen Stellen ganz ernst gemeint. Und: hier geht es weder um ”linksextrem” noch “rechtsextrem”. Rechts hat sich Liberales eingeschlichen und links ein wenig Grünes. Die Tabelle ist auch nicht vollständig.
Eine interessante Diskussion zu diesem Thema kann man bei Paul “no blood for sauerkraut” lesen!
| LINKS | RECHTS |
| Alle Menschen sind im Grunde gleich. Fairness bedeutet, dass sie immer gleich behandelt werden. | Die Menschen sind im Grunde ungleich. Fairness bedeutet, dass sie die gleichen Chancen haben. |
| Ideal: Die Früchte der Leistung werden an alle gleich verteilt | Ideal: Leistungen werden belohnt. Jeder hat eine Chance und muss sie nur nutzen. |
| Tendenz, den Wald nicht zu sehen, weil der Fokus auf den einzelnen Bäumen liegt | Tendenz, die einzelnen Bäume nicht zu sehen, weil der Fokus auf dem Wald liegt |
| Geld ist ein notwendiges Übel | Geld bedeutet Lebenskraft und ist ein Motivationsfaktor |
| Der Mensch ist im Grunde gut. | Der Mensch ist ein zwiespältiges Wesen zwischen Gut und Böse. |
| Das Böse ist erklärbar. | Das Böse ist im Letzten nicht erklärbar. |
| Das Gute im Menschen wird gefördert, indem sich der Mensch kreativ entfalten kann. | Das Gute im Menschen wird gefördert, indem der Mensch sich selbst besiegen lernt. |
| Das Böse im Menschen ist vergleichbar mit einer Krankheit, die durch geeignete Therapie und Lebensumstände im Einzelfall wegtherapiert werden kann. | Das Böse im Menschen wird durch die freie Entscheidung des Menschen zum Bösen erzeugt und ist daher von ihm allein zu verantworten. |
| Gefühl | Verstand |
| Die Ursachen für 9/11 sind zu einem großen Teil bei uns, der “westlichen Welt” zu suchen. | “We must invade their countries, kill their leaders and convert them to Christianity” (Ann Coulter nach 9/11) |
| Über Gefühle kann man nicht diskutieren. Sie sind ein Indikator für die Wahrheit. | Gefühle müssen rational interpretiert werden. Sie können bei der Wahrheitssuche höchstens einen Richtungshinweis geben. |
| Alle Kulturen und Religionen sind gleichwertig. | Es gibt - je nach dem dahinterstehenden Wertesystem - eine unterschiedliche Wertigkeit von Religionen und Kulturen. |
| Der Staat ist in vielen Bereichen mindestens teilweise für das Wohlergehen seiner Bürger verantwortlich. | Der Bürger ist für sein Wohlergehen selbst verantwortlich. Der Staat sorgt für innere und äußere Sicherheit, Infrastruktur und mit einem neutralen Rechtssystem für faire Spielregeln. |
| Hysterie | Zynismus |
| Gerechtigkeit heißt Gleichheit | Gerechtigkeit bedeutet, dass die Menschen in individuell unterschiedlichen Verhältnissen leben, die ihrer Lebensweise/Lebensentscheidungen/Leistung entsprechen. Das bedeutet, dass es Ungleichheiten gibt und dass diese bis zu einem gewissen Grad gerecht sind. |
| Die Gemeinschaft ist für das Glück des einzelnen maßgeblich mitverantwortlich | Jeder ist seines Glückes Schmied |
| Konkurrenzkampf und Wettbewerb sind Übel, die es zu überwinden gilt, weil es die Menschen dazu animiert, egoistisch zu handeln. | Konkurrenzkampf und Wettbewerb sind Ausdruck eines in der menschlichen Natur liegenden Kampfgeistes, der im kapitalistischen Wettbewerb zu Höchstleistungen anspornt und dem wir z.B. technische Errungenschaften und insgesamt unseren Wohlstand verdanken. |
| Hierarchische Strukturen sind ein Übel, weil sie ungerechte Strukturen schaffen, den Menschen ‘versklaven’, weil keiner das Recht hat, über andere Menschen zu dominieren. Sie entsprechen nicht der Natur des Menschen, weil der Mensch frei und selbstbestimmt handeln möchte. Die natürliche Entfaltung des Menschen wird durch hierarchische Strukturen behindert. | Hierarchische Strukturen sind ein Mittel der Ordnung, und ein Mittel, besonders leistungsstarken Menschen besonders viel Verantwortung geben zu können. Außerdem sind sie Ausdruck eines subtilen, in der Natur des Menschen liegenden Strebens nach einer Rudelrangordnung, das event. noch aus der Zeit stammt, in welcher der Mensch noch mehr Tier als Mensch war. |
| warm, schwärmerisch, idealistisch, gutmütig, ignorant, altruistisch, neigt dazu sich in sich in Einzelheiten zu verlieren, permanenter Selbstzweifel, Freundlichkeit, absolut kritiklose Offenheit und Toleranz, Warmherzigkeit, moralische Verwirrtheit, abgehobene Verkopftheit, Eloquenz aber wenig logische Klarheit | kalt, nüchtern, realistisch, fair, eigenwillig, egozentrisch, neigt zu schablonenhaftem schwarz-weiß-Denken, Standhaftigkeit, Dominanz, gut ausgeprägtes moralisches Wertesytem, neigt zu Vorurteilen, zuweilen eine plumpe Unsensibilität darin, Dinge beim Namen zu nennen. |
| Tradition bedeutet Spießigkeit und überkommene Werte und unterdrückt den freien Ausdruck des Einzelnen. | Tradition gibt Ordnung, Orientierung und sichert unsere abendländischen Werte und Lebensweise vor voreiligen Neuerungen, die nicht erprobt sind und daher zu Schlechterem führen könnten |
| VW-Kombi-Fahrer mit Auto-Aufkleber: “Wenn der letzte Fluss vergiftet (….) werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann” | Mercedes-Fahrer mit Hut |
| Da der Mensch dazu neigt, egoistisch zu handeln, muss der Staat diejenigen, die besonders viel haben, dazu zwingen, denjenigen, die nicht so viel haben, etwas abzugeben. Wohlstand wird daher durch größtmögliche Umverteilung gesichert, damit alle Anteil am erwirtschafteten Reichtum haben. | Die Erfolgreichen und Leistungsstarken ziehen die Erfolglosen und Schwächeren mittel- und langfristig mit, z.B. indem sie den erwirtschafteten Reichtum in ein Unternehmen investieren, das Arbeitsplätze schafft und z.B. durch innovative Produkte den Lebensstandard der Gesellschaft erhöht. Dadurch erhöht sich das Wohlstandsniveau der Gesellschaft insgesamt. |
| Krabbelgruppe mit Café für alleinerziehende Väter | Schützenverein |
| Arme sind gut, Reiche sind mindestens moralisch verdächtig. | Arme sind bedauernswert, Reiche sind erfolgreich und haben viel Verantwortung. |
| Das Vertrauen in die Politik würde größer sein, wenn es mehr ehrliche, rechtschaffene Politiker gäbe, denen man vertrauen kann und denen es um die Sache und nicht nur um Macht und Geld geht. | Das Vertrauen in die Politik würde größer sein, wenn mehr Ergebnisse sichtbar würden. |
| Die Ursache der Armut in unserer Gesellschaft ist die Unterdrückung der Vielen durch die mächtigen Wenigen (Wirtschaftsbosse, Lobbys, egoistische Politiker) | Die Ursachen der Armut in unserer Gesellschaft sind v.a. fehlende Bildung und fehlende Erziehung, falsche Prioritäten und Werte, fehlende Leistungsmotivation. |
| Eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen, in der statt Wettbewerb und Konkurrenzkampf Solidarität und Gleichheit herrschen, und allen alles gehört, ist gut. | Eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen, in der statt Wettbewerb und Konkurrenzkampf Solidarität und Gleichheit herrschen, und allen alles gehört, ist ein Albtraum, weil dies vollkommen gegen die menschliche Natur geht und nur in einem totalitären System enden kann. |
| Mikro-Kosmos:denkt über den Einzelnen nach und verwendet seine Erkenntnisse in Bezug auf Gruppen und die Gesellschaft als Ganzes | Makro-Kosmosdenkt über Gruppen und die Gesellschaft als Ganzes nach und vernachlässigt dabei die Bedürfnisse des Einzelnen |
| Das Prinzip des “Eigentum” ist ein dem Kapitalismus systemimmanentes und daher leider notwendiges Übel, das Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten aller Art produziert. | Das Prinzip des “Eigentums” ist einer der unabdingbaren und grundlegenden Bausteine, die unser freiheitliches System und unseren Wohlstand erst möglich machen. |
| Diskussionsgremium mit Entscheidungskompetenz | Militär |
| Im Wesen haben Mann und Frau viele Gemeinsamkeiten, aber auch ein paar Unterschiede | Im Wesen haben Mann und Frau viele Unterschiede, aber auch ein paar Gemeinsamkeiten |
| Eine gute Kindererziehung bedeutet, die Stärken der Kinder zu fördern und ihnen ein bestmögliches Vorbild zu sein. Das Verhältnis ist liebevoll-kameradschaftlich. Um sich später durchsetzen zu können und ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln hat das Kind volles Mitspracherecht - Probleme werden ausdiskutiert und gemeinsam gelöst. | Eine gute Kindererziehung bedeutet, dem Kind ein klares Wertesystem zu vermitteln und zum disziplinierten Umgang mit sich selbst zu erziehen. Dabei schließen sich Liebe und Autorität nicht aus. |
| Werte sind relativ. | Manche Werte sind relativ, manche Werte sind absolut. |
| verdeckter Neid | Spießigkeit |
| intellektuell hoch differenzierte moralische Verwirrtheit | Verwechseln von Tradition und Moral |
| Es kommt auf die Perspektive an. | Es kommt auf das dahinterstehende Wertesystem an. |
| Multikulti | Leitkultur |
| Die Mehrheit hat auf die Besonderheiten von Einzelnen und Minderheiten Rücksicht zu nehmen - hier gilt es, viele Kompromisse zu Gunsten der Einzelnen und Minderheiten zu schließen. | Einzelne und Minderheiten haben sich der Mehrheit anzupassen und müssen daher auch viele Kompromisse zu Gunsten der Mehrheit schließen. |
| Tendenz: Es gibt keine absolute Wahrheit, es gibt keinen Gott oder er ist nicht erkennbar. | Tendenz: Da es absolute Werte gibt, gibt es auch eine absolute Wahrheit. Absolute Werte begründen sich letztendlich in Gott, ohne den es keine Absolutheit von Werten geben könnte. |
| Das Wirtschaftssystem ist längst außer Kontrolle geraten und wird von meist dunklen Mächt(ig)en gesteuert, die das Glück haben, ganz oben an der Einkommensspitze zu stehen, ein feines Leben haben und die Sorgen und Nöte des Normalbürgers nicht kennen oder ignorieren. Auf Grund dieser Ungleichheit muss der Staat regulierend eingreifen und Gehälter von oben nach unten umverteilen. Erfolgreiche Unternehmen müssen durch Gesetze dazu bewegt werden, das Geld nicht in die eigenen Tasche zu stecken, sondern z.B. zu Gunsten des Umweltschutzes in neue Technologien. |
Eine florierende Wirtschaft ist eine der grundlegenden Komponente, die das gesellschaftlich geordnete Leben in Frieden und allgemeinem Wohlstand garantieren. Eine nicht gut funktionierende Wirtschaft ist ebenso gefährlich wie ein Krieg oder eine Seuche. Daher müssen Interessen fortwährend abgewogen werden, z.B. zwischen Regulierungs-Maßnahmen zugunsten des Umweltschutzes und Belastbarkeit der Unternehmen, die eine florierende Wirtschaft garantieren. |
| Exorbitante Gehälter (Ackermann) sind unmoralisch. | Exorbitante Gehälter (Ackermann) stehen zwar nicht in einem linearen Verhältnis zur persönlichen täglichen Arbeitsleistung, sind jedoch ein Faktor zur Motivation, sich hochzuarbeiten und exzellente Leistungen zu bringen und dienen außerdem als Substitut zum kulturell überkommenen Sch(lipps)längenvergleich. |
| “Rechts” ist böse. | “Links” ist ein gut gemeinter Irrtum. |
| denkt darüber nach, wie die Welt sein sollte und zieht daraus seine Schlüsse, was zu tun sei. | sieht sich die Welt an und zieht daraus seine Schlüsse, was zu tun sei. |
| Unser Wettbewerbssystem erzeugt oft rücksichtsloses, egoistisches und gemeines Verhalten von Menschen. Es ist daher wichtig, den Menschen so zu erziehen, dass er anderen Menschen rücksichtsvoll und einfühlsam begegnet. | Menschen verhalten sich oft rücksichtslos, egoistisch und gemein. Es ist daher wichtig, den Menschen so zu erziehen, dass er mit solchen Angriffen umgehen und sich ggf. wehren kann. |
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