Eben war ich im Sonnenstudio. Seit über einem Jahr war ich nicht mehr dort.
Aber alles war anders.

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Der Apparat, an dem ich früher die mit Geld aufgeladene Karte einschob um zu bezahlen, war weg. Statt dessen stand ein Touchscreen auf einer Theke, hinter welcher ein sonnengebräunter Mann mittleren Alters stand. Neben dem Touchscreen stand ein Tablett mit modern designten Augenschutzbrillen und ein Gerät zum Einscannen von Fingerabdrücken.
„Die künftige Gesetzeslage schreibt es vor, dass ab sofort immer Personal anwesend ist“ klärte mich der Mann hinter der Theke auf. „Wir müssen nach den neuen Regelungen beraten, aufklären und die Kunden müssen sich die Sonnenzeit freischalten lassen. Wir dürfen auch nur noch Kunden ab 18 zulassen und sind verpflichtet, auf die Gesundheit unserer Kunden acht zu geben. Es gibt jetzt sogar Regelungen zum Reinigen der Sonnengeräte. Wir haben ein völlig neues Desinfektionsmittel anschaffen müssen und müssen jetzt eine Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden beachten. Zu diesem Zweck gibt es diese Reinigungsuhr” – er zeigte mir eine kleine elektronische Uhr, die hinter jeder Kabinentür angebracht war.
„Das ist ja irre!“ rief ich staunend. „Schadet Ihnen das nicht? Das Dauerpersonal verursacht doch enorme Zusatzkosten, und die Umrüstung und all das …“
„Wir sind jetzt zertifiziert“, sagte der Sonnenstudioberater und wies auf 5 dekorativ aufgehängte Urkunden an einer Wand. „Viele andere Solarien, die nicht umrüsten wollen oder können, müssen schließen. Die ganzen Solarien in den Schwimmbädern oder Fitness-Centern … bis August ist noch Zeit aber dann… alle, die sich nicht zertifizieren lassen und umrüsten werden zumachen.“
Ich ließ mir den Restbetrag meiner alten Plastikkarte in das neue System umbuchen. Der Sonnenbräunungsberater blickte abschätzend auf meine blond und blauäugige Winterblässe und ich gab zu, diesen Winter noch gar nicht gesonnt zu haben.
„Sie gehen jetzt in Kabine 3 und ich schalte Ihnen 5 Minuten Besonnung frei.“
„Ich will aber 10 Minuten“, trotzte ich unvernünftig.
„Dürfen Sie nicht!“ triumphierte der staatlich verordnete Sonnenbräunungsberater.
Er erklärte mir, dass das Immunsystem bei Erstbesonnung auf Null gehen würde, „wussten wir vorher auch nicht! Aber jetzt, durch die Zertifizierung…“ dann müsse man 2 Tage Pause einlegen und erst am dritten Tag, „am Dienstag also“, dürfe man sich wieder sonnen. „Da schalte ich Ihnen dann 8 Minuten frei“ versprach er großzügig.
Ich ging zur Kabine und er reichte mir noch eine der modern designten Sonnenstudioschutzbrillen hinterher. „Ist jetzt auch vorgeschrieben!“
Zugegeben hatte ich meine eigene früher meist nicht dabei gehabt. Wie gut, dass der Staat mitdenkt!
Ich legte mich mit der staatlich vorgeschriebenen Schutzbrille auf die Sonnenliege, schaltete heimlich den Gesichtsbräuner auf Stufe 3 und nicht auf die vom Berater vorgegebene Stufe 2, drückte auf den Start-Knopf, durfte staatlich genehmigte 5 Minuten lang Melanin und Vitamin D produzieren und fühlte mich sehr unangenehm beschützt.
Hier noch die Gesetzesgrundlage: http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ugb4_strahlung.pdf
Und hier die Begründung: http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ugb4_strahlung_begruendung.pdf
siehe auch http://www.solariumforum.de/wbb2/search.php?searchid=21771&sid=dd5d51a5ad6a67dfecaa2865227b2ef8Â