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Nachdenken über das Böse

June 30th, 2007

Der Fall des 17-jährigen Felix aus Tessin, einem Gymnasiasten aus harmonischem, links-bürgerlich orientiertem und sozial engagiertem Elternhaus, der zusammen mit einem Freund mit Messern bewaffnet ein Ehepaar zu Hause überfiel und grausam zu Tode metzelte beschäftigt mich gedanklich. Zumindest als Anlass.

Weil an diesem Fall die Kluft so offensichtlich ist. Die Kluft zwischen Erklärbarkeit und Sinnlosigkeit, zwischen Schlechtem und Bösem. Der qualitative Sprung, der zwischen Frustration, Pubertätskrise, Hormonschüben und sadistischem Mord liegt, und der letztendlich nicht aufgelöst werden kann in Erklärungsmuster der Psychologie und Soziologie.

Es ist eben nicht alles erklärbar. Das ist es, was an diesem Fall so überdeutlich ist. Die Tat ist so monströs, dass alle Erklärungen scheitern. Man steht davor mit hilflosem Entsetzen.

Als G.W.Bush von der „Achse des Bösen“ sprach, löste dies hierzulande tiefste Empörung aus. Aber ist das nicht ähnlich? Bezeichnet nicht der Begriff „das Böse“ diese Leerstelle, die Kluft, den Quantensprung vom Schlechten zum Bösen, der nicht mehr auflösbar, nicht rational erklärbar ist?

Wann wird ein Mensch zum Terroristen? Auch hier sehe ich einen nicht auflösbaren Sprung, eine Lücke zwischen – begründbarem oder fehlgeleitetem -Gerechtigkeitsempfinden und dem Mord an Unschuldigen.

Und kann nicht auch ein Staat sich in dieser Weise gegen seine Bürger richten? Das ist das Kennzeichen eines Terrorregimes, wie es z.B. Saddam Husseins Regime war, sowie die afghanischen Taliban.

In unserer vollkommen säkular orientierten Gesellschaft stößt natürlich der Begriff des „Bösen“ (z.B. in „Achse des Bösen“) auf tiefstes Unverständnis.

Aber ist es nicht richtig, auch im großen Zusammenhang diesen über irdische Erklärungsmuster hinausweisenden Begriff des „Bösen“ zu verwenden? Gerade weil er eine Leerstelle benennt, weil er etwas Irrationales beinhaltet, etwas, das an die Existenz von übergeordneten Werten, an die Orientierung am Guten, theologisch ausgedrückt an Gott als jeweiligen Gegenpol erinnert? Gerade weil der Begriff des „Bösen“ so unbefriedigend ist, weil er eben nichts erklärt?

Gestern las ich in den Flugblättern der studentischen Freundes- und Widerstandsgruppe „Weißen Rose“ (mit welchen ich mich gerade aus beruflichen Gründen beschäftige) von 1943 folgende Sätze:

„Unser heutiger „Staat“ aber ist die Diktatur des Bösen.“ [Flugblatt III]

„Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist eine Lüge: Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl muss man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen logischen Überlegungen, steht das Irrationale, d.i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichristen. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo eigenmächtig verlässt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von den Mächtigen höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit – (…)“ [Flugblatt IV]

Auch hier finde ich den Gedanken des „Bösen“ als etwas Irrationales, Überirdisches, Metaphysisches. Um Missverständnisse auszuschließen: ich verstehe das Böse nicht als eine Gott ebenbürtig gegenüberstehende Entität. Das heißt, ich glaube nicht an zwei Götter, einem dunklen und einem hellen.
Das Bild von Satan als sich von Gott abwendendem (‚gefallenem’) Engel ist hilfreich.

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Die privaten Kreuzzüge von …

June 29th, 2007

… sind ein Gerücht.

George W. Bush ist kein ultrachristlicher Eiferer

George W. Bush wird hierzulande oft als religiöser Eiferer dargestellt, der den Irakkrieg als eine Art privaten Kreuzzug betreibt. Eine Linguistin der Universität Bonn hat abgeklopft, was an diesem Klischeebild dran ist. Dazu hat sie 50 Radioansprachen des US-Präsidenten zum Irakkrieg analysiert. Erstaunliches Ergebnis: Begriffe wie Gott, Glaube oder Beten finden sich nur selten. Lediglich zu Ostern, Weihnachten oder Thanksgiving greift Bush häufiger zu religiösen Formulierungen. Diese “großen” Reden sind es aber, die in Deutschland hauptsächlich wahrgenommen wurden.

Ganze achtmal benutzte Bush zwischen 2002 und 2004 in seinen Ansprachen zum Irakkrieg das Wort “God” - davon siebenmal zu wichtigen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten, Thanksgiving oder dem Unabhängigkeitstag. Ähnlich sieht es aus mit “pray” (elfmal gesamt/siebenmal zu hohen Festen) und “believe” (achtmal gesamt, davon aber nur einmal, in der Woche vor Ostern 2003, in einem explizit religiösen Zusammenhang). “Das Ergebnis hat mich völlig überrascht”, sagt die Bonner Linguistin Lisanna Görtz: “Schließlich steht es im krassen Gegensatz zu dem Bild, das hierzulande von George W. Bush gemalt wird.”

In ihrer Magisterarbeit hat Görtz die wöchentlichen Radioansprachen des US-Präsidenten analysiert. Diese Reden lassen sich besonders gut vergleichen: Sie sind stets gleich lang, die rhetorische Situation ist immer dieselbe, es gibt keinen Interviewer, der den Gesprächsverlauf beeinflusst. Erstmals thematisierte Bush im Herbst 2002 den Irak. Seitdem dominierten Saddam Hussein und der Krieg die Radioansprachen: Bis zum Beginn des US-Wahlkampfs Ende 2004 kam das Thema durchschnittlich alle zwei Wochen zur Sprache.

Lisanna Görtz hat untersucht, mit welchen rhetorischen Mitteln George W. Bush sein Volk auf den Irakkrieg einstimmt - und wie sich zum Beispiel das Feindbild im Laufe des Konflikts verändert. Dabei beobachtet sie drei unterschiedliche Phasen in der präsidialen Kriegsrhetorik: Vor dem Konflikt nutzt Bush die Person Saddam Husseins als Feindbild - allerdings mit gebremstem Schaum: “Die Reden sind vergleichsweise nüchtern”, betont die Linguistin. “Er spricht beispielsweise zwar von Folter, bleibt dabei aber abstrakt.” Immer wieder betont Bush dabei die Bedrohung, die von den (angeblichen) Massenvernichtungswaffen Saddams für die USA ausgingen.

Der Tonfall ändert sich mit Kriegseintritt drastisch: “Dissidenten im Irak werden gefoltert [?], ihre Hände, Füße und Zungen werden abgeschnitten, ihre Augen ausgedrückt”, sagt der US-Präsident in seiner Ansprache vom 15. März 2003. Er schreibt diese Greueltaten aber nicht mehr der Person Saddam Hussein zu, sondern dem Regime insgesamt.

Schon direkt nach Kriegsende stimmt Bush die US-amerikanischen Bürger auf ein Fortdauern der Konflikts ein: Aus dem Kampf gegen eine Diktatur wird ein Kampf gegen den Terrorismus. “Dabei legt er sich nicht auf Schlüsselfiguren wie Osama bin Laden fest”, erklärt Görtz. “Wer genau der Feind ist, bleibt ebenso im Vagen wie das Territorium, auf dem der Kampf ausgetragen wird.”

Kulturell bedingte Missverständnisse

Seit Kriegsbeginn rechtfertigt der Präsident den Einsatz amerikanischer Soldaten zunehmend mit der Verteidigung von Freiheit und Demokratie. “Dies ist aber kein Argumentationsmuster, das George W. Bush erfunden hätte”, betont die Linguistin. “Seit jeher verstehen sich die USA als Verteidiger wichtiger Werte.” Als Einwanderungsland hätten sich die USA eine Art Zivilreligion gegeben mit dem Präsidenten als Hohepriester: “Was die Bürger trotz ihrer unterschiedlichen kulturellen Hintergründe eint, ist der Glaube an gemeinsame Werte, der sich auch in omnipräsenten Symbolen wie dem Sternenbanner ausdrückt.”

In deutschen Ohren klinge es vielleicht befremdlich, wenn sich Bush voller Pathos auf die Verteidigung dieser Werte berufe. Für einen US-Politiker sei diese Rhetorik aber völlig normal. “Bush ist konservativ, Bush ist patriotisch, Bush ist religiös”, zieht Lisanna Görtz ein Fazit. “In seinen Radioansprachen äußert sich das aber nicht mehr als in den Reden anderer Politiker in Nordamerika auch.”

Schade findet Görtz, dass dieser unterschiedliche kulturelle Hintergrund so oft zu Missverständnissen führt: Man versteht vielleicht die Sprache, interpretiert das, was gesagt wird, aber falsch. Hinter der verzerrten Wahrnehmung Bushs stecken ihrer Meinung nach jedoch möglicherweise noch weitere Gründe: Schließlich ließen sich die religiösen Passagen in den Präsidentenreden auch hervorragend instrumentalisieren, um Stimmung gegen Bush und seine Kriegspläne zu schüren.

Pressemitteilung von Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 11.06.2007

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ex-blond über Abtreibung

June 10th, 2007

Ich verfolge ab und zu amerikanische Diskussionen zur Präsidentschafts-Vorwahl, bei der es darum geht, welcher Kandidat zur Wahl aufgestellt werden soll. Bei den US-Republikanern ist für viele Wähler ein ausschlaggebender Punkt: “Are you pro-life?” Das heißt, welche Haltung hat der Kandidat zum Thema Abtreibung? Für viele Republikaner ist Rudy Giuliani deshalb ein Problem, weil er – wie die Mehrheit der Demokraten - “pro-choice” ist, das heißt für die freie Wahl der Frau für bzw. gegen eine Abtreibung.

Bei uns ist das Thema Abtreibung politisch schon lange kein Thema mehr und faktisch ist eine Abtreibung quasi eine Selbstverständlichkeit. Nicht für ex-blond. Im praktischen Leben halte ich mich zu diesem Thema sehr zurück, aber hier im anonymen Blog kann ich schreiben, was ich darüber denke.

Ich kenne fast nur Frauen, die in ihrem Leben schon einmal abgetrieben haben. Und bei keiner einzigen davon kann ich es verstehen. Besser gesagt: bei keiner einzigen halte ich es für moralisch vertretbar. Denn bei keiner davon entschied die Verantwortlichkeit für das Kind. Sondern die Verantwortlichkeit ausschließlich für sich selbst.

“Mein Bauch gehört mir” stimmt nur solange kein Kind im Bauch ist. Sobald ein Kind da ist, geht es um zwei Leben, und das eine, nämlich das Leben der Austragenden ist verantwortlich für das entstehende Leben.

 

8 Wochen Abtreibung
Abtreibung 8.te Woche

 

Sozialer Abstieg

Meine Freundin G. war seit einem Jahr geschieden. Auf einer Party war sie unvorsichtig mit einem Mann, den sie dort gerade kennengelernten hatte und der kein Kondom dabei hatte. Sie wurde sofort schwanger und wollte abtreiben, aus Verzweiflung. Sie war gerade erst einer missglückten Ehe entronnen und wollte nicht ihre gerade gewonne Freiheit durch einen neue unfreie Situation, gebunden an ein Baby wieder aufgeben! Außerdem wollte sie eine Ausbildung machen. Sie besuchte eine Joga-Lehrerin, die ihr Übungen zeigte, die einen Abgang fördern sollten. Joga für Abtreibung. G. machte diese Gymnastik jeden Tag, in der Hoffnung, der Fötus würde von selbst sterben. Ihr Gewissen plagte sie aber zunehmend. Deshalb betete sie in einer Nachts und bat Gott, ihr ein deutliches Zeichen zu geben, wenn das Kind leben soll, wenn es wirklich leben will, ein Zeichen noch in dieser Nacht. Sie schlief ein und inmitten genau dieser Nacht ging plötzlich die Feueralarmsirene für ihren Ort, der unmittelbar in der Nähe ihres Hauses stationiert war, mit ohrenbetäubender Lautstärke los. Ein Fehlalarm. Zufall oder Fingerzeig? In jedem Fall entschloss G. sich, das Kind nicht abzutreiben. Für sie war es klar, dass ihr Kind einen starken Lebenswillen hat, nachdem es nicht durch die Joga-Übungen abging und nachdem die Alarmsirene nachts losging. Heute ist ihre bildhübsche Tochter 14 Jahre alt. G. war zunächst jahrelang sozialhilfeabhängig, hat dann noch eine Ausbildung, finanziert vom Arbeitsamt gemacht unter großem Stress durch die Doppelrolle als Vollzeitbeschäftigte und alleinerziehende Mutter, war nach der Ausbildung aber wieder arbeitslos und lebt seither, unterbrochen von kurzen Gelegenheitsjobs von Sozialhilfe (mittlerweile AG II).

Ich denke, die Chance auf eine neues Leben, auf berufliche Entfaltung und Neubeginn nach ihrer Scheidung hatte sie durch das ungewollte Kind, entstanden auf einer Party mit einem Mann, den sie gerade ein paar Stunden kannte, vertan.

Das ist aber kein Argument für eine Abtreibung.

Hass und Ekel

Den Zustand der Schwangerschaft fand ich nicht sehr schön. Natürlich ist es toll, wenn man fühlt, dass im Bauch ein Kind strampelt. Das ist großartig. Meistens habe ich mich auf mein Kind gefreut. Aber manchmal hatte ich das Gefühl, in meinem Bauch wächst ein riesig großes feindliches Krebsgeschwür, das mir der Vater des Kindes implementiert hat, der mich sofort verlassen hatte, sobald er erfuhr, dass ich (ungewollt) schwanger war. Wenn ein Mann eine Frau verlässt, wenn sie schwanger ist, der er zuvor Liebe geschworen hat, ist das psychisch und geistig brutal und fühlt sich extrem feindlich an. Als schwangere Frau hat man überhaupt keine Chance, dieses Kapitel abzuschließen, was ja, wenn man verliebt ist auch ohne Kind im Bauch bekanntlich schwierig und schmerzhaft ist. Mit Kind im Bauch trägt man aber immer irgendwie einen Teil des Vaters mit sich herum, es wächst an intimster Stelle und ist mit den zärtlichsten und innerlichsten Gefühlen verbunden. Ich hatte also zerrissene Gefühle dem werdenden Kind in meinem Leib gegenüber – da ich aber von Natur aus ein hoch optimistischer Mensch bin, überwogen die positiven Gefühle bei weitem die Gefühle des Hasses oder Ekels. Letztere hatte ich nur in schlechten Momenten.

Auch letztere sind kein Argument für eine Abtreibung. Es sind nur Gefühle, und nur meine Gefühle.

Körperliche Makel

Aber auch ästhetisch ist eine Schwangerschaft ein Desaster. Ich finde Schwangeren-Bäuche einfach unästhetisch. Scheußlich, irgendwie pervers sieht das aus. Ich habe versucht das nicht zu finden, sondern den Bauch von hochschwangeren Frauen incl. meines Bauches schön zu finden, naturverbunden-romantisch; ich habe es letztendlich nicht geschafft.

Die Geburt war eher schwer, mein Kind wog 4670 Gramm. Kein Schreibfehler!Außerdem wäre ich fast verblutet. Gott sei Dank habe ich keine Hausgeburt gemacht, wie ich das als Öko vorher eigentlich tun wollte!

Resultat meiner Schwangerschaft war, körperlich gesehen, dass mein Bauch von Schwangerschaftsstreifen übersäht und stellenweise zerknittert war, nie wieder so flach wurde wie zuvor, und ich fortan nicht mehr soviel essen konnte, wie ich wollte: mein Körper neigte ab sofort dazu, an Gewicht zuzulegen, wenn ich zuviel Schokolade aß. Vorher undenkbar.

Auch ästhetische Einbußen sind kein Argument für eine Abtreibung. Denn es geht dabei nicht um das eigenen Leben und um die eigenen Lebenspläne.

Eine Heldin

Ich war in einer Geburtsvorbereitungsgruppe für alleinstehende Schwangere. Von uns war sich nur M. nicht sicher, ob sie ihr Kind behalten wollte, aber sie konnte sich auch nicht vorstellen, abzutreiben. Mit Hilfe unserer Gruppenleiterin lernte sie eine Familie kennen, die bereits zwei eigene Kinder hatte und noch ein drittes Kind adoptieren wollte. Es war eine sehr nette Familie, die mit Kühen, Hühnern usw. auf dem Land wohnte. M. besuchte die Familie ein paar Mal und hatte ein gutes Gefühl. Sie war sich bis zuletzt nicht ganz sicher, ob sie ihr Kind abgeben würde oder doch behalten würde. Bei der Geburt hielt sie ihren Sohn kurz im Arm und gab ihn dann eigenhändig in die Arme der ‚neuen‘ Mutter. Es muss sehr ergreifend und harmonisch gewesen sein, S., unsere Gruppenleiterin erzählte das später, sie war bei der Geburt dabei.

Ich finde das ist sehr mutig von M. und zeugt von größter innerer Seelenstärke. M. ist für mich bis heute so etwas wie eine Heldin.

 

 

Das Standardargument für Abtreibung
von finanziell relativ gesicherten, beruflich etablierten, intellektuell regen, gebildeten, umweltwussten, weltfriedenwünschenden Frauen

Hier kommt das Argument für Abtreibung, das Standardargument, das ich von allen Frauen, die ich kenne und die abgetrieben haben, gehört habe:

“Freigabe zur Adoption kommt für mich nicht in Frage. Ich könnte nicht damit leben, zu wissen, dass irgendwo auf der Welt ein Kind von mir lebt”

Dieses Argument ist Standard. Es ist das egoistischste, was ich mir nur vorstellen kann. Ich kann es überhaupt nicht begreifen! Bis heute nicht! Keinen Deut!

Die nettesten, friedliebensten, freakigsten, intelligentesten, warmherzigsten Frauen argumentieren so!!!

Unbegreiflich!!!!!

Es ist reiner, purer Egoismus!

Ich glaube, 99 % aller Abtreibungen werden aus egoistischen Motiven gemacht. Dabei machen es sich die Frauen durchaus nicht einfach. Aber letztendlich belügen sie sich bei einer Entscheidung zur Abtreibung selbst.

Ich finde, Adoption ist eine ideale Alternative. In meinen Augen muss sich M. und alle Frauen, die sich für eine Adoptionsfreigabe entscheiden, nichts, aber auch gar gar nichts vorwerfen, niemals, ganz im Gegenteil. Das ist eine hoch verantwortliche, lebensbejahende Entscheidung.

Für mich gibt es also nur die beiden Möglichkeiten: Adoption oder das Kind selbst erziehen. Eine Abtreibung kommt nur in den seltensten Ausnahmefällen eventuell in Frage.

Leider sind Abtreibungen bei uns in der Gesellschaft fast schon selbstverständlich. Als ich mich zur Schwangerenberatung an die Beratungsstelle “Pro Familia” wandte, versuchte mich die Beraterin die erste Viertelstunde davon zu überzeugen, abzutreiben. Als ich meinem Frauenarzt sagte, ich sei schwanger, war seine erste (!) Frage: “Wollen Sie das Kind behalten?”

Aus meiner eigenen Lebenserfahrung heraus (ungewollt schwanger, noch keine Ausbildung, Mann verlässt mich gleich, alleinerziehend) muss ich sagen, ist eine ungewollte Schwangerschaft ohne stabilen Hintergrund wie verlässliche Partnerschaft, finanzielle Sicherheit oder wenigstens Aussicht auf Sicherheit sehr zum Nachteil. Es gibt äußerlich wenig dabei zu gewinnen, ein Kind durchkreuzt die Lebenspläne andauernd, jahrelang, die Doppelrolle Mutter – Berufstätige – und event. auch noch Liebhaberin eines potentiellen neuen Partners ist extrem stresslastig. Innerlich gibt es dabei letztendlich zu gewinnen: ein wenig Weisheit.

Damit kein Missverständnis entsteht: ich äußere meine Meinung zum Thema Abtreibung im praktischen täglichen Leben nie oder nur mit äußerster Rücksichtsnahme. V.a. gegenüber Frauen, die abgetrieben haben, äußere ich nicht, was ich denke, weil ich weiß, dass es für viele Frauen im Nachhinein schwer ist, mit einer Abtreibung zu leben, weil sich ihr Gewissen durchsetzt, oder, die egostische Variante: weil sie das Gefühl haben, etwas auf dem Jahrmakt des Lebens verpasst zu haben.

Hier noch Infos zum Thema Adoption: http://www.pro-leben.de/abtr/adoption.php

Hier ein englischer Artikel einer Frau, die ihr Kind zur Adoption freigegeben hat und sich psychisch davon nie wieder erholt hat, sehr gelitten hat: http://shakespearessister.blogspot.com/2009/03/breaking-silence-on-living-pro-lifers.html - sehr lesenswert. Wenn man sich für eine Adoption entscheidet, sollte man das gelesen haben und sich damit auseinandersetzen, sowie man auch vom sog. Post-Abortion-Syndrome Bescheid gehört haben sollte, wenn man mit dem Gedanken einer Abtreibung spielt. Ich bin trotzdem 100% pro Adoption (und 100% gegen Abtreibung), denn das Kind hat auch ein Recht ein Leben - es geht nicht nur um die Mutter.

Und hier noch ein Filmtipp zum Thema: http://ex-blond.com/?p=157 (Juno)

Bei amazon.de gibt es viele Bücher zum Thema Adoption, Abtreibung, einfach mal in die Suche eingeben und ein wenig stöbern.

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Kein Öl, keine Lobby.

June 1st, 2007

Keine Lobby in  Deutschland, nur Verklemmtheiten.

Lesebefehl!

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/630605/

Guck-Befehl!

http://www.welt.de/videos/kommentare/article909367/Israel-Lobby.html?service=VideoPopup

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