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Nahostkonflikt In a Nutshell

January 14th, 2009

Warum der Nahost Konflikt einfach zu vestehen,
aber schwierig zu lösen ist

von ex-blond


Es gibt eine Antwort auf diese Frage.
(Das Foto stammt von einer kleinen Anti-Israel-Demo vom 11.1.2009 in Frankfurt am Main.

Ich würde die Israelis wahrscheinlich hassen, würde ich als Palästinenserin in Gaza leben. Ganz abgesehen von der arabischen Hass-Propaganda in Schule, Fernsehen und Zeitungen, mit der ich aufgewachsen wäre, würde ich auch zu viele wahre Geschichten von himmelschreienden Ungerechtigkeiten gehört oder selbst erlebt haben. Ganz zu schweigen von der schutz- und ausweglosen Situation in Gaza jetzt, während der israelischen Bombardierungen!

Würde ich Israelin sein, würde ich die Palästinenser hassen. Nicht alle natürlich, ich würde in Gedanken einen Unterschied machen zwischen denjenigen, die Hass und Vernichtung säen und den unschuldigen Palästinensern, die nur verblendet und benutzt werden. Wahrscheinlich würde ich jemanden kennen, der jemanden kennt, dessen Bruder 2002 bei einem Attentat in einem Café sein Leben verlor.

Auf dieser Ebene sind sich glaube ich alle einig darüber, dass es sich um einen kaum zu lösenden und zu entwirrenden Konflikt des Hasses und Widerhasses handelt. Wie können solche tiefen, gegenseitigen, bösen Verstrickungen jemals gelöst werden und in einer friedlichen, gegenseitig wohlwollend annehmenden Akzeptanz enden? Die Lösung dafür scheint beinahe unmöglich zu sein.

***

Das Problem hierbei ist, dass die meisten Menschen und die Medien den Nahost-Konflikt auf dieser Mikro-Ebene betrachten und beurteilen. Die Schlussfolgerung lautet dabei immer: beide Seiten tragen Schuld, beide Seiten müssen aufeinander zugehen, mehr Gewalt bringt nur mehr Gewalt – Krieg ist keine Lösung. Peace!

Unter dieser Perspektive, die ich eben „Mikro-Ebene“ nannte, weil sie den Fokus auf einzelne Ereignisse richtet, auf schreckliche Einzelschicksale, und daraus Schlüsse auf das große Ganze zieht, unter dieser Perspektive scheint der Nahost-Konflikt derart undurchschaubar und verfahren, dass höchstens sogenannte „Nahostexperten“ in den Medien ein Urteil abgeben können. Denn nur solche Experten haben (wie wir hoffen) ein ausreichendes Wissen über das Hin und Her, über das Attentat und den Vergeltungsschlag, über die Zahl der Opfer und die politische Lage im Nahen Osten, dass sie eine kompetente Einschätzung der Lage abgeben können.

Man muss aber gar nicht Nahostexperte sein, um den Nahostkonflikt und die jüngsten Ereignisse beurteilen und verstehen zu können. Statt sich mit allen Details zu befassen, muss man aus der Nahaufnahme der persönlichen Betroffenheit und der persönlichen Schicksale wegzoomen und sich den großen Zusammenhang ansehen. Man muss von der Mikro-Ebene auf die Makro-Ebene wechseln.

Und auf dieser Makro-Ebene muss man nur einen einzigen Sachverhalt kennen.

Dieser Sachverhalt lautet:

Das Ziel der palästinensischen und der anderen arabischen Terrororganisationen wie Hamas, Hisbollah, Fatah etc. ist die Vernichtung des Staates Israel.

Das ist alles. Mehr muss man nicht wissen. Aus dieser Tatsache leitet sich alles andere ab. Der gesamte Nahostkonflikt ist – auf der Makro-Ebene - durchsichtig und verstehbar, wenn man diesen einen Sachverhalt kennt.

Aber halt! Ist das nicht auch wieder subjektiv?! Eine israelische Propagandalüge! Das kann ja jeder behaupten! Die Welt ist nicht einfach, sondern kompliziert! Und die Palästinenser behaupten ja genau das Gleiche! Nämlich dass Israel die Vernichtung oder Vertreibung der Palästinenser will und deren Land klauen! Und der Bekannte Ihrer Bekannten ist Palästinenser und der will ganz bestimmt nicht „Israel vernichten“ – das können Sie beschwören!

Es ist aber nicht subjektiv und keine israelische Propagandalüge. Vielmehr ist das sogar Bestandteil der schriftlichen Verfassung, die sich die Hamas selbst gegeben hat. Mit anderen Worten: die Hamas existiert, weil sie sich dieses Ziel gegeben hat – dieses Ziel ist gewissermaßen die Existenzberechtigung der Hamas und anderer Terrororganisationen, die sich durch dieses Ziel – die Vernichtung des jüdischen Staates Israels – selbst definiert haben.

In der Charta der Hamas heißt es wörtlich:

“Israel existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon andere Länder vorher ausgelöscht hat.” (Präambel)“Die Islamische Widerstandsbewegung ist eine ausschließlich palästinensische Bewegung, die Allah die Glaubenstreue hält und deren Weg der Islam bestimmt. Sie strebt danach, das Banner Allahs über jedem Zentimeter Palästinas zu entfalten.” (Artikel 6)

“Das jüngste Gericht wird nicht kommen, solange Moslems nicht die Juden bekämpfen und sie töten. Dann aber werden sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken, und die Steine und Bäume werden rufen: ‘Oh Moslem, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm’ und töte ihn.’” (Artikel 7)

“Das Land Palästina ist ein Islamischer Waqf (Heiliger Besitz), der den kommenden Generationen der Moslems bis zum Ende der Zeiten als Vermächtnis gegeben wurde. Es darf weder darauf verzichtet werden, noch darf etwas davon abgetrennt werden.” (Artikel 11)

“Palästina ist ein islamisches Land … Deshalb ist die Befreiung Palästinas für jeden Moslem die höchste persönliche Pflicht, wo immer er sich befindet.” (Artikel 13)

“Friedensinitiativen und so genannte Friedensideen oder internationale Konferenzen widersprechen dem Grundsatz der Islamischen Widerstandsbewegung. Die Konferenzen sind nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen … Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad. Friedensinitiativen sind reine Zeitverschwendung, eine sinnlose Bemühung.” (Artikel 13)

“Der Jihad ist die persönliche Pflicht jedes Moslems, seit die Feinde Teile des moslemischen Landes geraubt haben. Angesichts des Raubes durch die Juden ist es unvermeidlich, dass ein Banner des Jihad gehisst. wird.” (Artikel 15)

“(…) Vom gemeinsamen Kampf gegen den Zionismus abzulassen ist Hochverrat; verflucht ist, wer eine solche Tat begeht.” (Artikel 32)

Anmerkung: mit „Teile des moslemischen Landes“ (Art. 15) ist ganz Israel, d.h. auch Tel Aviv, Haifa usw. gemeint) 

Würde die Hamas das Ziel der Vernichtung des Staates Israel aufgeben, würde sie sich selbst einen Teil ihrer eigenen Existenzberechtigung als Organisation unter den Füßen wegziehen. Dieses Ziel ist das Licht, unter dem die Hamas den Nahost-Konflikt betrachtet und entsprechend handelt sie. Ein Aufgeben dieses Ziels (der Vernichtung Israels) würde entweder eine Selbstaufhebung der Hamas bedeuten oder mindestens einen ganz fundamentalen, ideologischen Wandel.

PLO, Hamas, Fatah, Hisbollah, und andere – sie alle verfolg(t)en dieses eine Ziel und verfolgen es auch weiterhin, jedoch mit unterschiedlichen Strategien und Mitteln und unterschiedlich gefassten Zeithorizonten.

Das ist die Makro-Ebene, und das ist alles, was man wissen muss.

Warum aber weiß das keiner? Warum eröffnet nicht abends der Tagesschau-Sprecher die Meldung über den Gaza Krieg mit einem grundsätzlichen „Wie sie wissen, meine Damen und Herren, strebt die Hamas die Vernichtung Israels an …“

Und - Wenn alles so einfach ist: Warum gibt es keine Massendemonstrationen zu Gunsten Israels in allen europäischen Großstädten? Warum demonstrieren statt dessen Hunderttausende gegen Israel?

Auf diese Frage habe ich bisher zwei Antworten gefunden.

1. Moralische Feigheit
Mit klaren, moralischen Urteilen zwischen Recht und Unrecht tun sich die Europäer, insbesondere die Deutschen, sehr schwer. (Ich halte das für eine Folge des moralischen Schocks, den die Nazis den Deutschen und den Europäern zugefügt haben. Das ist aber ein anderes Thema, das ich an dieser Stelle nicht vertiefen will.) Das Europäische Ideal lautet „Fairheit und Neutralität“. „Moral“ hingegen gründet entweder im Letzten religiös, womit die säkularisierten Europäer ein arges Problem haben. Oder Moral ist subjektiv, und damit relativierbar, so dass objektiv nicht ersichtlich ist, warum die eine Moral besser als die andere sein sollte. Deshalb halten sich die Europäer an „Fairheit und Neutralität“, die sie, da „Moral“ ja wegfällt, ausschließlich als Gleichbehandlung definieren. Irgendwie hat jeder ein bisschen Recht und die Wahrheit liegt -grundsätzlich – in der Mitte. Peace!

2. Antisemitismus
Ja, diese Keule muss ich an dieser Stelle leider zücken. Jeder Journalist, jeder Bürger, der, wenn er gefragt wird, Israel für eine semi-faschistischen, aggressiven, kriegslüsternen Staat hält, hat gute Argumente parat, dies zu begründen. Daran ist zunächst einmal nichts auszusetzen. Ich halte solche Meinungen nicht per se für antisemitisch. Nur für falsch. Aber die Menge, die allgemeine Tendenz (gegen Israel), der breite Konsens gegen Israel: der ist auf einer abstrakten Ebene antisemitisch. Also kein persönlicher Antisemitismus – d.h. kaum jemand wird heute wie die Nazis auf die Idee kommen, ein Jude sei ein Untermensch. Aber es ist ein abstrakter Antisemitismus, ein Antisemitismus auf einer größeren, abstrakteren Ebene – auf der Makro-Ebene. Irgendetwas liegt in der Luft, das beim Thema Israel den Zeiger auf der Misstrauensskala ganz nach oben schnellen lässt. Irgendetwas veranlasst die Menschen dazu, die annähernd 6000 Kassam-Raketen, die in den letzten beiden Jahre seit dem Rückzug aus dem Gazastreifen auf Israel niederregneten, nicht ernst zu nehmen oder darüber nicht angemessen zu berichten. Irgendetwas will nur die Mikro-Ebene der persönlichen Schicksale sehen und nicht nüchtern einen Blick auf die Makro-Ebene werfen. Mit den Stimmen der arabischen Staaten wurden in UNO Vollversammlungen so viele Resolutionen gegen Israel erlassen und so viele Sondersitzungen zum Nahostkonflikt einberufen wie zu keinem anderen Thema auf der Welt. Gleichzeitig gibt es in arabischen Fernsehsendern und Zeitungen einen offenen und primitiven Antisemitismus, welcher der „Stürmer“Hetze aus der Nazi-Zeit beste Konkurrenz macht. Irgendetwas bewirkt, dass das niemanden stutzig macht, dass darüber kaum berichtet wird, dass diese Dinge nicht in Zusammenhang gebracht werden, sondern im Gegenteil, dass die Leute sich auf die UNO berufen. Dieses „irgendetwas“ halte ich für einen abstrakten Antisemitismus.

Nachtrag: ausführliche Informationen über die Ziele der Hamas hat in den Jahren 2001 bis 2008 die Journalistin Gudrun Eussner in ihrem Blog zusammengestellt - hier klicken!

Hier noch zwei sehenswerte Filme:

http://www.youtube.com/watch?v=9i57PrvlCWo

http://www.youtube.com/watch?v=vhk9jJW0m5k

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Wird Israel den Iran angreifen?

July 24th, 2008

Vermutlich ja. Und ich stehe voll auf deren Seite.

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Das skandalöse Karfreitagsgebet

March 23rd, 2008

Im aktuellen Karfreitaggebet der Katholiken heißt es:

„Lasst uns auch beten für die Juden. Dass Gott ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.”

Dazu die Welt:

“Wegen der Karfreitagsfürbitte, die als Aufruf zur Bekehrung der Juden interpretiert wird, sagten zahlreiche Rabbiner und Vertreter des christlichen-jüdischen Dialogs ihre Teilnahme am Katholikentag in Osnabrück (21. bis 25. Mai) ab. „Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff“, sagte der Berliner Rabbiner Walter Homolka “Spiegel online”. Der Papst habe mit der Zulassung der Karfreitagsbitte den jüdisch-katholischen Dialog schwer beschädigt. Er warf Benedikt XVI. vor, er nehme durch die Neufassung der Karfreitagsliturgie in Kauf, antisemitischen Tendenzen in der katholischen Kirche Vorschub zu leisten.”

Ich persönlich kann diese Aufregung nicht verstehen. Zum Vergleich: Wenn man eine kontroverse Diskussion führt, geht jede Partei davon aus, dass sie die Wahrheit weiß und vertritt. „Ich hoffe, dass Du eines Tages verstehst, was ich meine“ wird dabei niemand als geistigen Vergewaltigungsversuch verstehen.

Die oben zitierte katholische Fürbitte ist vielleicht angesichts der Geschichte der Judenverfolgungen und des Antisemitismus nicht unbedingt ein Glanzlicht an diplomatischer Formulierung, aber es handelt sich ja auch (nur) um ein Gebet und nicht um ein Dokument des Dialogs zwischen den Religionen. Als Gebet steht es völlig in der Tradition des christlichen Glaubens, denn aus christlicher Perspektive ist nun einmal das Christentum sozusagen die Wahrheit der Wahrheiten, das Pünktchen auf dem i, die offenbarte Wahrheit, während andere Religionen noch im Dunkeln bzw. Halbdunkeln herumtappen.

Jeder Religion ist immanent, dass sie beansprucht, die Wahrheit über die Welt erkannt zu haben. Bei einer missionarischen Religion wie dem Christentum gehört es zum Kern der Religion, dass sie hofft, die ganze Menschheit habe irgendwann Teil an ihrer heilbringenden Wahrheit:

Matthäus 28,18-20: Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.

Markus 16,15f: Geht in die ganze Welt und verkündet der ganzen Schöpfung das Evangelium! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.

Der Missionsgedanke ist also der christlichen Religion völlig immanent und wenn man vom Christentum spricht, dann meint man automatisch damit immer eine Religion, die meint, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Es ist dem Christentum immanent, diese Wahrheit allen, die sie nicht teilen, eröffnen zu wollen. Potential zur Empörung hat dabei nicht der Missionsgedanke an sich, sondern die Frage, wie dieser missionarische Anspruch ausgelegt und umgesetzt wird. Und ich denke, dass die katholische Kirche Gott sei Dank dem Mittelalter entwachsen ist und sich längst zu einer anderen Religionen gegenüber völlig toleranten Institution entwickelt hat, die zwar mit offenen Armen dasteht, und den Glauben als ein Angebot darbietet, aber niemandem ungefragt auf die Nerven geht. Wenn nun die Kirche intern dafür betet, dass Nicht-Christen die Wahrheit des Christentums erkennen mögen, hat das nichts mit Antisemitismus oder sonstigen feindlichen Ansinnen zu tun, sondern das ist ein logischer Ausdruck des dem Christentum eigenen Wahrheits- und Missionsgedankens.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, fragt:

„In welcher Zeit leben wir eigentlich, wenn die katholische Kirche heute wieder meint, um das Seelenheil des jüdischen Volkes besorgt sein zu müssen?“

Sie müsste aber wissen, dass die katholische Kirche nicht nur um das Seelenheil des jüdischen, sondern um das Seelenheil aller Völker besorgt ist und zwar qua definitione. Diese Besorgnis hat nichts mit Antisemitismus, Überheblichkeit oder Intoleranz zu tun.

Letztes Jahr gab es in den USA um die konservative und immer provokative Ann Coulter genau zu diesem Thema einen riesigen Skandal, weil sie in einer Talkshow sagte „it would be better if we were all Christian“ und „we just want Jews to be perfected, as they say

Ihre Kommentare wurden als antisemitisch bezeichnet und der Aufschrei war groß. Sogar im Blog FdoG fand sich ein entsprechend entrüsteter Blogeintrag

Ich bin der Meinung, dass Ann Coulter hier völlig missverstanden wurde. Und Danny Deutsch provoziert sie in diesem Dialog zu dem Satz:“ Jews need to be perfected“, der isoliert und aus dem Zusammenhang gerissen tatsächlich antisemitisch klingt, im Zusammenhang aber eindeutig nicht so gemeint ist. Ich glaube, Danny Deutsch kann Ann Coulter einfach nicht leiden. Sie ist eine sehr umstrittene, von vielen Liberals aber auch Konservativen leidenschaftlich gehasste Polit-Satirikerin. Ihr neuester Buchtitel lautet, auch nicht zimperlich: “If Democrats had any brains, they’d be Republican” (vermutlich ist Danny Deutsch überzeugter Democrat.)

Auch im Islam und im Buddhismus und in vielen Sekten gibt es den Missionsgedanken. Die Mormonen z.B. glauben, dass sie Tote stellvertretend nachträglich taufen können und haben schon über eine Millionen Tote getauft und in einem Bunker beherbergen sie ca. eine Milliarde Daten von Toten aus der ganzen Welt, die sie alle nach und nach taufen wollen, und sie sammeln immer mehr Daten. Wer weiß, ob wir nicht eines Tages posthum – aus Sicht der Mormonen - alle mal Mormonen sind, ob es uns passt oder nicht.

Die beiden Zeuginnen Jehovas, die hier bei uns im Viertel täglich missionieren, beten vermutlich täglich dafür, dass all wir sündigen, missionsresistenten Leute in dieser Gegend uns bald den Zeugen Jehovas anschließen, damit wir am jüngsten Tag gerettet sind.

Mich persönlich regt das nicht auf, sondern ich finde die beiden Zeuginnen Jehovas in ihren Anstrengungen rührend und die Totentaufe der Mormonen irgendwie auch.

 

Nachtrag am 29.04.2009:

Zwei must-reads zum Thema in der FAZ:

1. Robert Spaemann: Gott ist kein Bigamist
2. Michael Brenner: Gott ist kein Christ

Meiner Meinung nach gewinnt Spaemann diese Diskussion eindeutig und ich teile seine (Spaemanns) Position zu 100%.

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Verschwörungstheorien (Folge 6)

November 4th, 2007

Heute schreibt H. M. Broder im Spiegel, dass das Interview von Michel Friedman mit dem ehemaligen RAF-Verteidiger und heutigen Neo-Nazi und Nazi-Ideologen Horst Mahler in der Zeitschrift „Vanity Fair“ ein pathologischer Unsinn sei.
Interview Teil 1
Interview Teil 2
Dieser Meinung bin ich nicht. Im Gegenteil, ich denke, dass dieses Interview in der jetzigen gesellschaftlichen Meinungslage eine sehr kluge Sache ist. Allerdings nur, wenn das Interview tatsächlich auch als „Skandal“ einschlägt und möglichst viel diskutiert wird. In den Blogs aus meiner Blogroll ist leider nicht viel oder gar nichts darüber zu lesen. Der Skandal wird totgeschwiegen, vermutlich, weil Broder allzu sehr Recht hat, wenn er schreibt, dass Friedman in gewisser Weise ausgenutzt wurde. Nur gehe ich persönlich davon aus, dass sich Friedman bewusst dafür hergegeben hat.

Denn: x-Mal ist es mir in den letzten Jahren passiert, dass mir Leute erzählt haben, sie glauben, 9/11 wäre von der CIA inszeniert worden. Verschwörungsdenken hat Konjunktur. Seit dem Irak-Krieg erklimmt der Antiamerikanismus in Deutschland neue Höhen. In den arabischen Ländern herrscht ein ausgeprägter und primitiver Antisemitismus, sämtliche Stereotypen, die auch unter Hitler beliebt waren, sind dort anzutreffen. Durch manche Immigranten und Fernsehsender wie “Al Manar“ werden diese Ideen und Bilder in die Köpfe von Jugendlichen in Deutschland gebracht. Bush wird von vielen Leuten als die Inkarnation Hitlers gesehen. Vorgestern klagte eine Bekannte von mir über „unser politisches System“, das sie sowieso dem kapitialistisch verursachten Untergang geweiht sah. Antisemitismus als umfassende Verschwörungstheorie ist in Deutschland zwar nicht ‚in’, aber das ist vor allem so, weil der geschichtliche Schock des Holocaust noch zu tief sitzt. Lockert sich das kollektive Schuldbewusstsein erst einmal, ist es im Grunde nur ein kleiner Schritt vom Antiamerikanismus oder anderen Verschwörungstheorien zum Antisemitismus à la Horst Mahler. Meiner Meinung nach leidet ein großer Teil der deutschen Bevölkerung an einem tiefen Missverständnis der weltgeschichtlichen Vorgänge: Iran wird von vielen als verkannter Freund, Amerika als Feind gesehen. Die Terrorgefahr in Deutschland halten viele für einen Vorwand Schäubles. Über Israel / Palästina wird nach dem Schema aggressive Täter / hilflose Opfer berichtet. Usw.

Das Vanity-Interview entlarvt nicht nur Horst Mahler als eine irgendwie traurige, gescheiterte und psychisch kranke Person, sondern auch und vor allem die Verschwörungsvorlieben der Deutschen, insbesondere der deutschen Linken.

FRIEDMAN: War die RAF, was Ihre Positionen angeht, dass die Juden des Teufels sind, waren Andreas Baader, Ensslin, Meinhof auch Ihrer Meinung, damals schon…?

HORST MAHLER: Ja, sicher. Nicht in dem Sinne, wie Sie es jetzt gerade ausgedrückt haben.

FRIEDMAN: In welchem Sinne?

HORST MAHLER: Sondern für uns war damals der Begriff “der US-Imperialismus”, und jetzt sieht man klarer, was der US-Imperialismus ist, und insofern: Der Feind ist derselbe. Die Mittel, ihn zu bekämpfen, haben sich gewandelt mit Erkenntnissen, die aus diesem Prozess erwachsen sind.

und Horst Mahler sagt:

HORST MAHLER: Damals war das, was Sie jetzt unter Antijudaismus verstehen, der Antizionismus und die Kritik an der Politik Israels als eines jüdischen Staates im Verhältnis zu seinen Nachbarn. Das war uns präsent, und insoweit sind wir dann auch in der Kritik an den Juden sehr weit gegangen für damalige Verhältnisse.

und hier der Gedanke “Die Machtfäden ziehen andere im Hintergrund”:

HORST MAHLER: Und die jüdischen Banken haben die Macht. Das sind nicht nur Banken, das sind Geldsammelstellen ganz allgemein. Und die haben die anderen auch in Abhängigkeit. Das ist ja das jüdische Prinzip, in einem zweiten Gebiet die Fäden zu ziehen und der eigentliche Herrscher hinter den Herrschern zu sein.

und, auch an sowas denken viele (”Des einen Mörder ist des anderen Freiheitskämpfer”):

FRIEDMAN: So. Nun haben Sie das jetzt relativiert und sagen: Das [9/11]waren die Amerikaner selbst. So weit, so verstanden. Aber jetzt anders gefragt: Es gibt viele Terroranschläge gegen Amerika. Halten Sie die Terroranschläge gegen Amerika für rechtens? Sie haben ja dieses damals unter dem Gedanken, es sei nicht von Amerikanern geschehen, auch als rechtens bezeichnet.

HORST MAHLER: Aber in einem ganz bestimmten Zusammenhang, und den darf man nicht außer Acht lassen. Wenn es denn ein taugliches Mittel ist, die Abhängigkeit der Welt und die Beherrschung der Welt von dem, was USrael genannt wird, zu beseitigen, dann ist das auch rechtens im ethischen Sinne.

Im Grunde genommen muss man einigen (nicht allen) von Mahlers Sätzen nur „Juden“ mit „USA“ (oder „Geheimbund“) ersetzen, dann hat man Sätze, die viele, viele Deutsche genau so unterschreiben würden.
Das ist das Entlarvende, deshalb ist das Interview eine geniale Idee.

Das Interview ist eindeutig: es offenbart die Gedanken eines ausgewiesenen Neonazis. Die meisten Menschen, die das Interview lesen, wollen keine Neonazis sein und müssen nun den ein oder anderen Gedanken, den sie hegen, und mit dem sie mit Mahler übereinstimmen, noch einmal hinterfragen. Sehr gut!

Als vor ca. 2 Jahren Ahmadinejad einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel schrieb , war die Lage keineswegs so eindeutig. Der Brief enthielt Gedankengänge, die man eindeutig als rechtsextrem einordnen muss. Aber wenige erkannten das. Ich schickte damals einer guten Freundin ohne nähere Kommentare den Link in der Erwartung, von ihr eine empörte eMail zu bekommen, was für ein rechtsextremer Schurke doch Ahmadinejad sei. Statt dessen schrieb sie mir zurück, dass sie den Inhalt des Briefes sehr interessant fände.

Und noch etwas entlarvt das Mahler-Interview exemplarisch: die Gefahr eines eklektisch zusammengestellten Weltbilds, dessen einziger Maßstab ausschließlich der einzelne Mensch selbst ist. Mahler ist offensichtlich ein viel belesener und gebildeter Mann, der sich reichlich aus dem angelesenen Weisheitsschatz bedient, um seine Psychose mit einem logischen Weltbild-Konstrukt zu bemänteln: ein bisschen Churchill, ein bisschen Buber, ein bisschen Goethe, und das Ganze fest verschnürt mit Hegel und hie und da noch das Etikett „Gott“ draufgeklebt.
Wie sich in einer gerade stattgefundenen Blog-Diskussion um Atheismus vs. Theismus (an der ich beteiligt war) mal wieder zeigte, fürchten sich die meisten Menschen zwar vor unmündigen, hörigen Gläubigen, die ihr Hirn an so gefährliche Institutionen wie die katholische Kirche gegen das fadenscheinige Versprechen, dafür nicht in die Hölle zu kommen, verkaufen. Sie fürchten sich aber nicht vor selbstherrlichen Egomanen, die ihr Weltbild zusammenzimmern aus Versatzstücken und dabei, ohne prüfende Instanz, die ihre Ergebnisse in Frage stellen könnte, ausschließlich sich selbst ausgeliefert sind und ihre eigenen Meinungen zum Maßstab aller Dinge nehmen.

Interessant auch zum Thema „Rechtsextremismus und linker Antiimperialismus“: vor ca. einem Jahr hatte ich eine Diskussion mit einem entfernten Bekannten, nennen wir ihn B und einem befreundeten Amerikaner, nennen wir ihn A.
Von B weiß ich, dass er rechtsextrem ist, Neonazi-Ansichten hat und den Holocaust leugnet bzw. relativiert und wegerklärt, ähnlich wie Horst Mahler. A ist in seinen politischen Ansichten weit links zu verorten. Beide, A und B, wussten über ihre gegenseitige Einstellung nichts. Wir kamen irgendwie auf das Thema Irak-Krieg, Amerika usw. zu sprechen. A und B waren sich in fast allen Punkten vollkommen einig und bestärkten sich in gegenseitiger Sympathie, um mich davon zu überzeugen dass:

-Amerika international ausschließlich imperialistische Interessen verfolgt
-die „jüdische Lobby“ allzu viel Einfluss auf die amerikanische Politik habe
-Iran ein natürliches Recht auf die Atombombe habe
-Israel ein Unrechtstaat von Anfang an sei
-der Irak-Krieg wegen des Öls geführt wird
-Saddam Hussein „not so bad“ war und die Amis nur Vorwände gesucht haben, um den Krieg führen zu können
-die Bombardierung von Dresden ein Unrecht war, dem viel zu wenig Rechnung getragen wird
-an dem Terrorismus im Irak und auf der ganzen Welt in erster Linie die Amerikaner selbst Schuld haben
-die amerikanischen Soldaten im Irak keine Helden, sondern entweder Verbrecher oder ausgenutzte Naive sind
-die Weltpolitik von ominösen, geheimen Mächten gesteuert wird, deren Wurzeln wiederum in bestimmten Geheimbünden liegen

 

NACHTRAG: Zettel schreibt auch über das Thema: hier klicken!

NACHTRAG 2: http://www.welt.de/politik/article1405815/Eine_Reise_zu_den_Grenzen_der_Meinungsfreiheit.html

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Schockiert vor Schreck und Angst

July 3rd, 2007

Ich erinnere mich an fast nichts aus der Zeit, als ich 4-5 Jahre alt war, aber an eines noch sehr gut: 

Ich sah bei einem Nachbarskind „Max und Moritz“ als Kindertheateraufführung im Fernsehen. Max und Moritz füllen heimlich Lehrer Lämpels Pfeife mit explosivem Flintenpulver. Als Lehrer Lämpel sich zur Entspannung in seinen Schaukelstuhl setzt und die Pfeife anzündet macht es „Paff!“ und Lehrer Lämpel kippt durch die Explosion hintenüber vom Schaukelstuhl.

Ich erschrak unglaublich vor dieser grausamen Gemeinheit und schreiend und heulend vor Schreck und Angst rannte ich blindlings aus dem Haus des Nachbarkindes hinaus auf die Straße. Ich sehe die Fernsehszene noch heute vor mir, sie hat mich damals tief beeindruckt und schockiert.

Umso mehr müsste auch dem allerletzten „grundsätzlich-haben-immer-beide-Seiten-Schuld“-Israel-Kritteler bei folgender Kinderserie klar werden, welch Geistes Kind folgende Produktion  (und die verheerenden Folgen) zu verantworten hat. Kinderseelen sind empfindlich.

Hamas Hasspropagandafilm gegen Israel - für Kinder

 
(Al-Aqsa TV, ausgestrahlt am 29. Juni 2007)

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Das umgestülpte Weltbild

April 6th, 2007

 

Er sagte, er würde es wirklich verstehen können, wenn die Afghanen sich gegen das US Militär wehren. Die hätten da schließlich nichts zu suchen. Warum sollten die Afghanen ihre Probleme nicht selbst in den Griff kriegen. „ Terrorismus“ ist nicht Grund, sondern Vorwand für die Kriege der USA, sowohl in Afghanistan als auch im Irak. Er sei auch ganz gegen die Entsendung von Tornados nach Afghanistan. Das sei alles nur von Macht- und Geldinteressen gesteuert.

Wir sprachen auch über Hr. Schäuble, der eine Gesetzesänderung durchsetzen will, damit es möglich sein wird, per Internetverbindung private Computer von Terrorverdächtigen unbemerkt durchsuchen zu können.

Wir stellten fest:
Bei solchen Szenarien denkt er: “Was für eine lügnerische, durchsichtige Masche, eine angebliche „Terrorgefahr“ bei uns vorzuschieben, nur um mehr Sicherheitspolitik machen zu können.
Während ich bei solchen Szenarien denke: „Herrjeh, wie beängstigend groß muss die Terrorgefahr bei uns wirklich sein, wenn Hr. Schäuble sich zu solchen Verrenkungen anstrengt“
Wir lachten über die Gegensätzlichkeit unserer Weltbilder.

Auf die Frage, was für einen Sinn „mehr Sicherheitspolitik machen zu können“ habe, was Hr. Schäuble für einen Vorteil haben könnte, „mehr Sicherheitspolitik machen zu können“, ganz ohne Grund, schließlich sei das ja kein Wert an sich, wirkte er erst etwas verunsichert, schließlich aber gab er an: Machtstreben, Macht durch Kontrolle.

Er glaube auch, dass Amerika 9/11 selbst inszeniert haben, eben um einen Kriegsvorwand zu haben. Er könne es nicht beweisen, er verstehe auch mein Weltbild, das seinem ganz entgegengesetzt sei, weil ich Ursache und Wirkung ganz umgekehrt wie er sehe. Trotzdem, er habe da so ein starkes Gefühl, dass es so ist. Einfach im Bauch. Und er habe auch gelesen, dass am 11.9.2001 viel weniger Leute als sonst in den Twin-Towers anwesend waren.

Er habe auch einen Freund, ein überdurchschnittlich intelligenter Typ mit einem Abi Schnitt von Eins Komma Zwei, der sich mit Verschwörungstheorien, z.B. Freimaurer und lauter so Zeug ganz intensiv beschäftige und der ihm schon alle möglichen interessanten Sachen erzählt habe. Er wisse auch nicht, was er von alldem halten solle, er höre sich das halt an und denke darüber nach und finde es interessant.

Jetzt, zwei Tage später fiel mir im Nachhinein ein, warum dieses ganze Verschwörungsdenken mir seit ein paar Jahren zutiefst suspekt ist. Mir fiel die richtige Formulierung dazu ein.

Ich denke, mit diesem ganzen Verschwörungskram im Großen (9/11) und Kleinen (Geheimbünde) steht man in derselben Denktradition, in welcher auch der Antisemitismus steht. Letztendlich ist der Antisemitismus ja auch nichts weiter, als eine umfassende Verschwörungstheorie. Die Antisemiten z.B. von 1933 haben daran geglaubt. Ganz tief haben sie gefühlt, dass ihre Welt von einer geld- und machtgierigen, bösartigen geheimen jüdischen Verschwörung von innen ausgehölt wird, gegen die sie sich zur Wehr setzen mussten. Das war ihre Weltsicht. Und das wurde damals in den Medien bestätigt und verstärkt.

Ich werde ihm das mit dem Kleinen, den Freimaurern die die Welt kontrollieren, dem Antisemitismus und der gemeinsamen Denktradition mal sagen, ganz vorsichtig, bei Gelegenheit. Mit dem Großen muss er selber draufkommen.

 

Nachtrag: Hervorragender Artikel darüber auch in der TAZ: http://www.taz.de/pt/2004/10/02/a0302.1/text
 

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Skandal in Berlin

January 29th, 2007

Scheußlich war’s! Kalt! Strömender Regen! Stürmisch! Sauwetter! 

Ca. 14:30 Hier sammeln sich die Demonstranten vor dem Rathaus in Berlin. Die meisten kamen erst kurz vor 15:00

Um Punkt 14:45 fing es an zu regnen.

Berliner Geschichtsstudentin: mit ihr kam ich am Bahnhofsausgang ins Gespräch weil der Alexanderplatz ziemlich groß und unübersichtlich ist und wir erst nicht wussten, wo der Treffpunkt war … bis wir Musik auf der anderen Seite, vor dem Rathaus hörten …

Immer mehr Demonstranten kommen, immer mehr Regen fällt

Yeah!

Es geht los … wir gingen vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz.

Ein Meer aus Regenschirmen, Regenmänteln und Flaggen.

Berlin ist schön! War vorher noch nie auf der Friedrichstraße!

Blick auf den Demonstrantenzug. Rechts im Bild auch eine iranische Flagge! Iraner waren auch dabei!

Es war wirklich s**kalt, ich glaube, jeder hatte nasse Kleider … tapfere 2-3000 Leute haben durchgehalten!

Abschlusskundgebung gegenüber dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Mir war so kalt … alle Redner verkürzten ihre Reden, auf Grund des Wetters.

Und warum heißt meine Überschrift “Skandal in Berlin”?

Ein Skandal ist die ganze Demonstration deshalb, weil nicht Hunderttausende, halb Deutschland auf den Beinen ist um gegen Ahmadinejad ein Zeichen der Kompromisslosigkeit und mit Israel ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

Sondern weil 100 Organisationen zur Demo aufriefen und mit Bussen aus ganz Deutschland anreisten, um mühsam gerade mal 2000-3000 Demonstranten zusammenzubringen. Das ist ein Skandal!!!

Ich finde, dass Deutschland ganz klar eine besondere Verantwortung Israel gegenüber hat, auch wenn das viele Menschen nicht gerne hören. Warum hören das viele Menschen eigentlich nicht gerne? Ehrlich, ich finde, das ist keinesfalls eine Frage der persönlichen Schuld, die es für uns heute nicht gibt. Aber es ist nur einmal so, dass uns unsere Vorfahren ein schreckliches geschichtliches Erbe hinterlassen haben, das uns zumindest dazu veranlassen sollte, mit klarem Blick ähnlichen Bedrohungen entgegenzutreten.

Dass die Menschen so zögerlich auf die Bedrohung durch Ahmadinejad reagieren, begründet sich glaube ich (neben – skandalösem! – Desinteresse und fehlendem klaren Blick) darin, dass militärische, also kriegerische Mittel in Betracht gezogen werden müssen, wenn die iranische Regierung ihr Atomprogramm nicht aufgibt. Eine Demo gegen Ahmadinejad und für Israel heißt in letzter Konsequenz auch eine Befürwortung eines gezielten Präventivschlags (von wem auch immer) gegen die iranischen Atomanlagen, wenn alle Mittel der Diplomatie und Politik in einem sicherheitstechnisch vertretbarem Zeitrahmen versagen. Statt also einer zweiten Katastrophe, die Millionen von Menschen das Leben kosten würde, mit allen Mitteln Einhalt zu gebieten, verpflichten sich viele Deutsche lieber einem abstrakten pazifistischen Prinzip, welches angeblich das Leben an sich für nichts zu opfern bereit ist, sonnen sich dabei in ihrem guten, friedensliebenden Gewissen und setzen so ganz nebenbei das Leben von 7 Millionen Menschen aufs Spiel. Aber es wird schon gut gehen, gell? Wenn nicht, weiß man es halt dann beim nächsten Mal besser. Ganz bestimmt! Wir sind lernfähig und es ist ja erst der zweite Versuch.

Wie, fragt man sich, hätten in Augen der Ahmadinejad-Tolerierer im zweiten Weltkrieg die Alliierten eigentlich Hitler stoppen sollen? Durch einen scharf formulierten Protestbrief mit Unterschriftensammlung? Durch Diskussionsveranstaltungen, in welchen man die ganze Sache endlich mal ausdiskutiert?

“Aus dem Nationalsozialismus habt ihr nichts gelernt. Statt zu lernen, dass das Böse bekämpft werden muss, habt ihr gelernt, dass es böse ist zu kämpfen” (Dennis Prager)

Um 17:00 war die Demo vorbei, mein Zug ging aber erst um 20:33 (nicht umbuchbar) und ich war durchgefroren und hatte nasse Schuhe und Hosenbeine! Habe dann intensiv bereut, dass ich überhaupt hingefahren bin, so kalt war mir. Am Hauptbahnhof habe ich mich schließlich in ein Restaurant gesetzt. Eine über einen Stuhl zum Trocknen gelegte auffällige Israel-Flagge verriet mir, dass eine Frau, die zwei Plätze weiter saß, vermutlich auch auf der Demo war. Ich fragte sie, und wir kamen fröhlich ins Gespräch … war sehr nett. Sie ist auch Bloggerin, kam aus Stuttgart auf die Demo!

Weitere Berichte zur Demo auch hier: Anti-Antiamericanism.comFuchsbauTelegehirn, Die Achse des Guten, Lizas Welt, Honestly Concerned

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Verschwörungen (5)

January 6th, 2007

… Zettel hat sich in seinem Blog ebenfalls mit dem Thema Verschwörungstheorien auseinandergesetzt. Bei ihm gibt es in “Zettels kleines Zimmer” eine Zusammenstellung von sechs lesenswerten Beiträgen dazu. Seine These: Verschwörungstheorien entstehen in einem Klima der Verunsicherung über die Welt. Diese ist hervorgerufen durch radikalen Skeptizismus. Ein sehr interessanter und überlegenswerter Gedankengang!

Hier lesen: http://83273.homepagemodules.de/topic-threaded.php?forum=28&id=274

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Der hilflose Antisemitismus

January 5th, 2007

Israel, Dezember 2001

Schweigen zu … ?

“Eine Lehrerin erläuterte beispielhaft, wie sie einmal erfolgreich den latenten Antisemitismus ihrer Schüler bekämpft hatte: es gebe auch gute Juden, (…) es gebe beispielsweise israelische Wehrdienstverweigerer.”

Der Artikel ist zwar schon 13 Jahre alt, aber hochaktuell.

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Verschwörungen (4)

January 3rd, 2007

Hr. Jaecker klärt auf!


“Wie windig ist es auf dem Mond?”

Kann man die Community, die es geben muss, um Verschwörungstheorien zu verbreiten, näher definieren?
Definieren lässt sich die Gruppe von Menschen, die besonders empfänglich für Verschwörungstheorien sind, kaum. Die Gruppe ist sehr heterogen, nicht unbedingt nur rechtsradikal. Neben den Rechtsextremisten können auch solche Menschen verschwörungs- theoretisch orientiert sein, die sich als links bezeichnen. Diese üben – manchmal natürlich legitim – Kritik an der US-Regierung oder internationalen politischen Vorgängen und driften dann allerdings in eine verschwörungstheoretische Richtung ab. Abstrahiert von den „Professionellen“, die Verschwörungstheorien verbreiten, sind wohl insgesamt die so genannten gesellschaftlichen Verlierer anfällig, die untergegangen sind im Kapitalismus. Aus einer kritischen Einstellung entwickelt sich dann schnell der Glaube an eine Verschwörung. Verschwörungstheorien bauen auf der Vorstellung auf, dass es einen ewigen Kampf zwischen dem Guten und personalisierten Bösen gibt. Es wird eben nicht gesagt, bestimmte Entwicklungen sind negativ. Die Welt wird vielmehr dualistisch aufgeteilt: Hier sitzt ein Bösewicht, der anderen etwas Schlechtes will. Dort sitzen diejenigen, die durchweg gute Ansichten haben. Das ist ein Weltbild, das meiner Ansicht nach einfach falsch ist.

Hier lesen!

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