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Verschwörungstheorien (Folge 6)

November 4th, 2007

Heute schreibt H. M. Broder im Spiegel, dass das Interview von Michel Friedman mit dem ehemaligen RAF-Verteidiger und heutigen Neo-Nazi und Nazi-Ideologen Horst Mahler in der Zeitschrift „Vanity Fair“ ein pathologischer Unsinn sei.
Interview Teil 1
Interview Teil 2
Dieser Meinung bin ich nicht. Im Gegenteil, ich denke, dass dieses Interview in der jetzigen gesellschaftlichen Meinungslage eine sehr kluge Sache ist. Allerdings nur, wenn das Interview tatsächlich auch als „Skandal“ einschlägt und möglichst viel diskutiert wird. In den Blogs aus meiner Blogroll ist leider nicht viel oder gar nichts darüber zu lesen. Der Skandal wird totgeschwiegen, vermutlich, weil Broder allzu sehr Recht hat, wenn er schreibt, dass Friedman in gewisser Weise ausgenutzt wurde. Nur gehe ich persönlich davon aus, dass sich Friedman bewusst dafür hergegeben hat.

Denn: x-Mal ist es mir in den letzten Jahren passiert, dass mir Leute erzählt haben, sie glauben, 9/11 wäre von der CIA inszeniert worden. Verschwörungsdenken hat Konjunktur. Seit dem Irak-Krieg erklimmt der Antiamerikanismus in Deutschland neue Höhen. In den arabischen Ländern herrscht ein ausgeprägter und primitiver Antisemitismus, sämtliche Stereotypen, die auch unter Hitler beliebt waren, sind dort anzutreffen. Durch manche Immigranten und Fernsehsender wie “Al Manar“ werden diese Ideen und Bilder in die Köpfe von Jugendlichen in Deutschland gebracht. Bush wird von vielen Leuten als die Inkarnation Hitlers gesehen. Vorgestern klagte eine Bekannte von mir über „unser politisches System“, das sie sowieso dem kapitialistisch verursachten Untergang geweiht sah. Antisemitismus als umfassende Verschwörungstheorie ist in Deutschland zwar nicht ‚in’, aber das ist vor allem so, weil der geschichtliche Schock des Holocaust noch zu tief sitzt. Lockert sich das kollektive Schuldbewusstsein erst einmal, ist es im Grunde nur ein kleiner Schritt vom Antiamerikanismus oder anderen Verschwörungstheorien zum Antisemitismus à la Horst Mahler. Meiner Meinung nach leidet ein großer Teil der deutschen Bevölkerung an einem tiefen Missverständnis der weltgeschichtlichen Vorgänge: Iran wird von vielen als verkannter Freund, Amerika als Feind gesehen. Die Terrorgefahr in Deutschland halten viele für einen Vorwand Schäubles. Über Israel / Palästina wird nach dem Schema aggressive Täter / hilflose Opfer berichtet. Usw.

Das Vanity-Interview entlarvt nicht nur Horst Mahler als eine irgendwie traurige, gescheiterte und psychisch kranke Person, sondern auch und vor allem die Verschwörungsvorlieben der Deutschen, insbesondere der deutschen Linken.

FRIEDMAN: War die RAF, was Ihre Positionen angeht, dass die Juden des Teufels sind, waren Andreas Baader, Ensslin, Meinhof auch Ihrer Meinung, damals schon…?

HORST MAHLER: Ja, sicher. Nicht in dem Sinne, wie Sie es jetzt gerade ausgedrückt haben.

FRIEDMAN: In welchem Sinne?

HORST MAHLER: Sondern für uns war damals der Begriff “der US-Imperialismus”, und jetzt sieht man klarer, was der US-Imperialismus ist, und insofern: Der Feind ist derselbe. Die Mittel, ihn zu bekämpfen, haben sich gewandelt mit Erkenntnissen, die aus diesem Prozess erwachsen sind.

und Horst Mahler sagt:

HORST MAHLER: Damals war das, was Sie jetzt unter Antijudaismus verstehen, der Antizionismus und die Kritik an der Politik Israels als eines jüdischen Staates im Verhältnis zu seinen Nachbarn. Das war uns präsent, und insoweit sind wir dann auch in der Kritik an den Juden sehr weit gegangen für damalige Verhältnisse.

und hier der Gedanke “Die Machtfäden ziehen andere im Hintergrund”:

HORST MAHLER: Und die jüdischen Banken haben die Macht. Das sind nicht nur Banken, das sind Geldsammelstellen ganz allgemein. Und die haben die anderen auch in Abhängigkeit. Das ist ja das jüdische Prinzip, in einem zweiten Gebiet die Fäden zu ziehen und der eigentliche Herrscher hinter den Herrschern zu sein.

und, auch an sowas denken viele (”Des einen Mörder ist des anderen Freiheitskämpfer”):

FRIEDMAN: So. Nun haben Sie das jetzt relativiert und sagen: Das [9/11]waren die Amerikaner selbst. So weit, so verstanden. Aber jetzt anders gefragt: Es gibt viele Terroranschläge gegen Amerika. Halten Sie die Terroranschläge gegen Amerika für rechtens? Sie haben ja dieses damals unter dem Gedanken, es sei nicht von Amerikanern geschehen, auch als rechtens bezeichnet.

HORST MAHLER: Aber in einem ganz bestimmten Zusammenhang, und den darf man nicht außer Acht lassen. Wenn es denn ein taugliches Mittel ist, die Abhängigkeit der Welt und die Beherrschung der Welt von dem, was USrael genannt wird, zu beseitigen, dann ist das auch rechtens im ethischen Sinne.

Im Grunde genommen muss man einigen (nicht allen) von Mahlers Sätzen nur „Juden“ mit „USA“ (oder „Geheimbund“) ersetzen, dann hat man Sätze, die viele, viele Deutsche genau so unterschreiben würden.
Das ist das Entlarvende, deshalb ist das Interview eine geniale Idee.

Das Interview ist eindeutig: es offenbart die Gedanken eines ausgewiesenen Neonazis. Die meisten Menschen, die das Interview lesen, wollen keine Neonazis sein und müssen nun den ein oder anderen Gedanken, den sie hegen, und mit dem sie mit Mahler übereinstimmen, noch einmal hinterfragen. Sehr gut!

Als vor ca. 2 Jahren Ahmadinejad einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel schrieb , war die Lage keineswegs so eindeutig. Der Brief enthielt Gedankengänge, die man eindeutig als rechtsextrem einordnen muss. Aber wenige erkannten das. Ich schickte damals einer guten Freundin ohne nähere Kommentare den Link in der Erwartung, von ihr eine empörte eMail zu bekommen, was für ein rechtsextremer Schurke doch Ahmadinejad sei. Statt dessen schrieb sie mir zurück, dass sie den Inhalt des Briefes sehr interessant fände.

Und noch etwas entlarvt das Mahler-Interview exemplarisch: die Gefahr eines eklektisch zusammengestellten Weltbilds, dessen einziger Maßstab ausschließlich der einzelne Mensch selbst ist. Mahler ist offensichtlich ein viel belesener und gebildeter Mann, der sich reichlich aus dem angelesenen Weisheitsschatz bedient, um seine Psychose mit einem logischen Weltbild-Konstrukt zu bemänteln: ein bisschen Churchill, ein bisschen Buber, ein bisschen Goethe, und das Ganze fest verschnürt mit Hegel und hie und da noch das Etikett „Gott“ draufgeklebt.
Wie sich in einer gerade stattgefundenen Blog-Diskussion um Atheismus vs. Theismus (an der ich beteiligt war) mal wieder zeigte, fürchten sich die meisten Menschen zwar vor unmündigen, hörigen Gläubigen, die ihr Hirn an so gefährliche Institutionen wie die katholische Kirche gegen das fadenscheinige Versprechen, dafür nicht in die Hölle zu kommen, verkaufen. Sie fürchten sich aber nicht vor selbstherrlichen Egomanen, die ihr Weltbild zusammenzimmern aus Versatzstücken und dabei, ohne prüfende Instanz, die ihre Ergebnisse in Frage stellen könnte, ausschließlich sich selbst ausgeliefert sind und ihre eigenen Meinungen zum Maßstab aller Dinge nehmen.

Interessant auch zum Thema „Rechtsextremismus und linker Antiimperialismus“: vor ca. einem Jahr hatte ich eine Diskussion mit einem entfernten Bekannten, nennen wir ihn B und einem befreundeten Amerikaner, nennen wir ihn A.
Von B weiß ich, dass er rechtsextrem ist, Neonazi-Ansichten hat und den Holocaust leugnet bzw. relativiert und wegerklärt, ähnlich wie Horst Mahler. A ist in seinen politischen Ansichten weit links zu verorten. Beide, A und B, wussten über ihre gegenseitige Einstellung nichts. Wir kamen irgendwie auf das Thema Irak-Krieg, Amerika usw. zu sprechen. A und B waren sich in fast allen Punkten vollkommen einig und bestärkten sich in gegenseitiger Sympathie, um mich davon zu überzeugen dass:

-Amerika international ausschließlich imperialistische Interessen verfolgt
-die „jüdische Lobby“ allzu viel Einfluss auf die amerikanische Politik habe
-Iran ein natürliches Recht auf die Atombombe habe
-Israel ein Unrechtstaat von Anfang an sei
-der Irak-Krieg wegen des Öls geführt wird
-Saddam Hussein „not so bad“ war und die Amis nur Vorwände gesucht haben, um den Krieg führen zu können
-die Bombardierung von Dresden ein Unrecht war, dem viel zu wenig Rechnung getragen wird
-an dem Terrorismus im Irak und auf der ganzen Welt in erster Linie die Amerikaner selbst Schuld haben
-die amerikanischen Soldaten im Irak keine Helden, sondern entweder Verbrecher oder ausgenutzte Naive sind
-die Weltpolitik von ominösen, geheimen Mächten gesteuert wird, deren Wurzeln wiederum in bestimmten Geheimbünden liegen

 

NACHTRAG: Zettel schreibt auch über das Thema: hier klicken!

NACHTRAG 2: http://www.welt.de/politik/article1405815/Eine_Reise_zu_den_Grenzen_der_Meinungsfreiheit.html

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Das umgestülpte Weltbild

April 6th, 2007

 

Er sagte, er würde es wirklich verstehen können, wenn die Afghanen sich gegen das US Militär wehren. Die hätten da schließlich nichts zu suchen. Warum sollten die Afghanen ihre Probleme nicht selbst in den Griff kriegen. „ Terrorismus“ ist nicht Grund, sondern Vorwand für die Kriege der USA, sowohl in Afghanistan als auch im Irak. Er sei auch ganz gegen die Entsendung von Tornados nach Afghanistan. Das sei alles nur von Macht- und Geldinteressen gesteuert.

Wir sprachen auch über Hr. Schäuble, der eine Gesetzesänderung durchsetzen will, damit es möglich sein wird, per Internetverbindung private Computer von Terrorverdächtigen unbemerkt durchsuchen zu können.

Wir stellten fest:
Bei solchen Szenarien denkt er: “Was für eine lügnerische, durchsichtige Masche, eine angebliche „Terrorgefahr“ bei uns vorzuschieben, nur um mehr Sicherheitspolitik machen zu können.
Während ich bei solchen Szenarien denke: „Herrjeh, wie beängstigend groß muss die Terrorgefahr bei uns wirklich sein, wenn Hr. Schäuble sich zu solchen Verrenkungen anstrengt“
Wir lachten über die Gegensätzlichkeit unserer Weltbilder.

Auf die Frage, was für einen Sinn „mehr Sicherheitspolitik machen zu können“ habe, was Hr. Schäuble für einen Vorteil haben könnte, „mehr Sicherheitspolitik machen zu können“, ganz ohne Grund, schließlich sei das ja kein Wert an sich, wirkte er erst etwas verunsichert, schließlich aber gab er an: Machtstreben, Macht durch Kontrolle.

Er glaube auch, dass Amerika 9/11 selbst inszeniert haben, eben um einen Kriegsvorwand zu haben. Er könne es nicht beweisen, er verstehe auch mein Weltbild, das seinem ganz entgegengesetzt sei, weil ich Ursache und Wirkung ganz umgekehrt wie er sehe. Trotzdem, er habe da so ein starkes Gefühl, dass es so ist. Einfach im Bauch. Und er habe auch gelesen, dass am 11.9.2001 viel weniger Leute als sonst in den Twin-Towers anwesend waren.

Er habe auch einen Freund, ein überdurchschnittlich intelligenter Typ mit einem Abi Schnitt von Eins Komma Zwei, der sich mit Verschwörungstheorien, z.B. Freimaurer und lauter so Zeug ganz intensiv beschäftige und der ihm schon alle möglichen interessanten Sachen erzählt habe. Er wisse auch nicht, was er von alldem halten solle, er höre sich das halt an und denke darüber nach und finde es interessant.

Jetzt, zwei Tage später fiel mir im Nachhinein ein, warum dieses ganze Verschwörungsdenken mir seit ein paar Jahren zutiefst suspekt ist. Mir fiel die richtige Formulierung dazu ein.

Ich denke, mit diesem ganzen Verschwörungskram im Großen (9/11) und Kleinen (Geheimbünde) steht man in derselben Denktradition, in welcher auch der Antisemitismus steht. Letztendlich ist der Antisemitismus ja auch nichts weiter, als eine umfassende Verschwörungstheorie. Die Antisemiten z.B. von 1933 haben daran geglaubt. Ganz tief haben sie gefühlt, dass ihre Welt von einer geld- und machtgierigen, bösartigen geheimen jüdischen Verschwörung von innen ausgehölt wird, gegen die sie sich zur Wehr setzen mussten. Das war ihre Weltsicht. Und das wurde damals in den Medien bestätigt und verstärkt.

Ich werde ihm das mit dem Kleinen, den Freimaurern die die Welt kontrollieren, dem Antisemitismus und der gemeinsamen Denktradition mal sagen, ganz vorsichtig, bei Gelegenheit. Mit dem Großen muss er selber draufkommen.

 

Nachtrag: Hervorragender Artikel darüber auch in der TAZ: http://www.taz.de/pt/2004/10/02/a0302.1/text
 

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Verschwörungen (5)

January 6th, 2007

… Zettel hat sich in seinem Blog ebenfalls mit dem Thema Verschwörungstheorien auseinandergesetzt. Bei ihm gibt es in “Zettels kleines Zimmer” eine Zusammenstellung von sechs lesenswerten Beiträgen dazu. Seine These: Verschwörungstheorien entstehen in einem Klima der Verunsicherung über die Welt. Diese ist hervorgerufen durch radikalen Skeptizismus. Ein sehr interessanter und überlegenswerter Gedankengang!

Hier lesen: http://83273.homepagemodules.de/topic-threaded.php?forum=28&id=274

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Die kritische Haltung
gegenüber den USA …

January 4th, 2007

… ist hierzulande in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Lesetipp: Die Zeit vom 18.09.2006, Artikel “Unbeliebtes Amerika

Europa ist „ein pubertierender Sohn, der sich gegen seinen amerikanischen Onkel auflehnt, der ursprünglich einmal Europas Tochter gewesen ist.“

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Verschwörungen (4)

January 3rd, 2007

Hr. Jaecker klärt auf!


“Wie windig ist es auf dem Mond?”

Kann man die Community, die es geben muss, um Verschwörungstheorien zu verbreiten, näher definieren?
Definieren lässt sich die Gruppe von Menschen, die besonders empfänglich für Verschwörungstheorien sind, kaum. Die Gruppe ist sehr heterogen, nicht unbedingt nur rechtsradikal. Neben den Rechtsextremisten können auch solche Menschen verschwörungs- theoretisch orientiert sein, die sich als links bezeichnen. Diese üben – manchmal natürlich legitim – Kritik an der US-Regierung oder internationalen politischen Vorgängen und driften dann allerdings in eine verschwörungstheoretische Richtung ab. Abstrahiert von den „Professionellen“, die Verschwörungstheorien verbreiten, sind wohl insgesamt die so genannten gesellschaftlichen Verlierer anfällig, die untergegangen sind im Kapitalismus. Aus einer kritischen Einstellung entwickelt sich dann schnell der Glaube an eine Verschwörung. Verschwörungstheorien bauen auf der Vorstellung auf, dass es einen ewigen Kampf zwischen dem Guten und personalisierten Bösen gibt. Es wird eben nicht gesagt, bestimmte Entwicklungen sind negativ. Die Welt wird vielmehr dualistisch aufgeteilt: Hier sitzt ein Bösewicht, der anderen etwas Schlechtes will. Dort sitzen diejenigen, die durchweg gute Ansichten haben. Das ist ein Weltbild, das meiner Ansicht nach einfach falsch ist.

Hier lesen!

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“End U.S. Imperialism Now!”

January 1st, 2007

+ Chickenhawks!
+ Somewhere in Texas, a Village is missing its Idiot….
+ No Blood for Oil!
+ Coexist!
+ End U.S. Imperialism Now!
+ You Can not Simultaneously Prevent and Prepare for War (Albert Einstein)
+ Give Peace a Chance!
+ War is not the Answer!
+ Bush Lied, People Died!

Klasse Artikel hier lesen!

(entdeckt auf www.achgut.com/dadgdx)

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Good news: Iran willing to show USA way to salvation

December 20th, 2006

America’s Straw-Like Strength and Satanic Rule over the World Is about to Be Annihilated: Video hier.

(Lustig: nebst der üblichen C&A Herbstmodenjacke hat Hr. Ahmadinejad sich hier ein Geschirrspültuch um den Hals gehängt! Kein Witz, sehen Sie selbst!)

Aber das ist ja noch gar nichts. Dass die USA böse sind und den Pfad des Guten verlassen haben, denken ja auch bei uns ca. 70% der Bevölkerung (meine Einschätzung).


Quelle: http://www.coxandforkum.com/

Das hier dürfte Sie also deutlich mehr schocken. Ich denke, die Ausstrahlung solcher Fernsehsendungen hat eine verheerende Wirkung. Katastrophal.

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Syriana

December 17th, 2006

Ich habe mir vor ein paar Monaten aus der Videothek den Film “Syriana” (USA, 2005) ausgeliehen.

   

Bisher dachte ich immer, Propagandafilme für den heiligen islamistischen Djihad würden von den Feinden Amerikas produziert werden, von Al Qaida zum Beispiel.

 

Falsch! Wie naiv ich war!
 

Ich Blondine! Solche Filme werden in Hollywood produziert! In bester Dolby-Surround-Qualität! Dagegen sind Bin-Ladens Filme peinliche, dilettantische Anfängerversuche. Ein oder zwei Szenenschnippsel aus Syriana rausschneiden, und schon ist Syriana perfekt für die Rekrutierung von islamistischen selbstmordwilligen Amerikafeinden. Es kommt aber noch besser: Wenn man die Schnippsel nicht rausschneidet, eignet sich der Film bestens für die andere, westliche Hemisphäre, also für uns: unschuldige Leute verlieren so garantiert das Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Durchsetzung der Menschenrechte. Vor allem gegenüber den USA. Und die Kasse klingelt auf der ganzen Welt! Alles passt perfekt: die Amis böse durch und durch, fiese Typen. Die ganz wenigen Ausnahmen guter Amerikaner haben keine Chance und werden von den bösen Amis eh zur Seite gefegt, ihre Bemühungen durch Mord zunichte gemacht.

Aber halt! Der Film hat auch gute Elemente.

1. Zwei Zitate (aus dem Kopf, ich hab nicht mitstenografiert) , die ich wirklich klasse finde aus dem Film, allerdings nur, wenn man sie komplett aus dem Zusammenhang reißt:

“Wie sieht das aus wenn man aus dem Tod eines 6-Jährigen Profit zieht?”

Dazu fällt mir persönlich irgendwie spontan sofort das Wort “Hisbollah” ein.

“Es geht um Öl, es geht daher um alles, es geht um Leben und Tod!”

Einfach mal ganz frei über diesen Satz nachdenken. Na ja, ich glaube den meisten wird beim frei-Nachdenken nur das schauerliche Schlagwort “no blood for oil!” einfallen. Also kleine Denkhilfe. Stellen Sie sich vor, sie bauen ein Krankenhaus in Afrika. Sie brauchen gute Krankenschwestern und gut ausgebildete Ärzte. Sie brauchen freundliche Menschen, welche die Buchhaltung und den Putzdienst übernehmen. Das Krankenhaus muss architektonisch sinnvoll gebaut werden, z.B. braucht es einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach mit Aufzug direkt in den OP. Und: Sie brauchen Strom, Essen, Wasser. Strom, Essen, Wasser. Strom, Essen, Wasser, damit das ganze funktionieren kann. Ohne gehts nicht. Ohne bricht die Funktionalität Ihres Krankenhauses zusammen. Und damit sterben Ihnen die Kranken unter den Händen weg.

2. Es gibt tatsächlich Korruption, Kriminalität, Folter und Auftragsmorde in Wirtschaft und Politik. Das wird im Film in Hollywood-Manier stark überzeichnet dargestellt. Insofern stellt der Film einen Teil-Ausschnitt (und nur das, leider wird das im Film nicht klar), nämlich böse und unentschuldbare Elemente aus der Realität dar.

Mein Fazit: Syriana ist ein Film, der die Menschen politisch-moralisch durcheinander bringt.

Die deutsche Presser beurteilt den Film z.B. so. Unsäglich.

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A New Frontier of Bigotry

December 14th, 2006

Anti-Americanism and Anti-Semitism: A New Frontier of Bigotry
Alvin H. Rosenfeld

(…)
These and a host of other differences had contributed to a widening gap between Washington and Europe-a “continental drift” that had preceded President Bush’s assumption of office, but his coming into power brought numerous problems to the fore. It was precisely to quiet German nerves on these matters, and especially on the matter of a possible war with Iraq, that President Bush came to Berlin and addressed the German Parliament. As one commentator put it at the time, he could not possibly settle people’s minds on all of these issues with even the best of speeches, but he gave a “moving and important speech, if there’s anyone left in Europe to be moved.”

The skepticism in these words is justified, for the more closely one looks at anti-American rhetoric, the more one sees that it often moves beyond criticism of specific policies to expose envies, fears, and resentments of a deeper kind. These are not new, and no matter what it is that may prompt them, their recurrence and exaggerated expression suggest that a cultural repetition compulsion is at play. Consider the following news items, for instance, taken from the German press:

A cover page of Stern magazine … showed an American missile piercing the heart of a dove of peace…. Prominent German politicians also freely [have] expressed such attitudes. Oskar Lafontaine, deputy cochairman of the Social Democratic Party [SPD], called the United States “an aggressor nation.” Rudolf Hartnung, chairman of the youth organization of the SPD, accused the United States of “ideologically inspired genocide” in Central America, among other places. Another SPD politician, state legislator JŸrgen Busack, had this to say: “The warmongers and international arsonists do not govern in the Kremlin. They govern in Washington. The United States must lie, cheat, and deceive in an effort to thwart resistance to its insane foreign policy adventures. The United States is headed for war.”  
Students of German political history will recognize that, while the language quoted is of a piece with today’s accusatory rhetoric, it actually comes from the Germany of the early 1980s. Some twenty years ago, when another American president was regularly identified with the Wild West and denounced as a trigger-happy cowboy, Germany’s media and many of its political figures were voicing the same charges against President Reagan now made against President Bush. The images in both cases were virtually identical: Governed by political leaders who are not only crude philistines but reckless and aggressive warriors, America is a menacing country that threatens world peace. It is for this reason that, in confronting German and other European views of America, one is tempted to consider anti-Americanism not just as a form of cultural and political criticism but as a form of psychopathology. 

Definition of Anti-Americanism

To understand its nature, let’s borrow a working definition of anti-Americanism from Paul Hollander’s book on the subject: The term “anti-Americanism,” Hollander writes, denotes a “particular mind-set, an attitude of distaste, aversion, or intense hostility the roots of which may be found in matters unrelated to the actual qualities or attributes of American society or the foreign policies of the United States. In short, … anti-Americanism refers to a negative predisposition, a type of bias which is to various degrees unfounded…. It is an attitude similar to [such other] hostile predispositions as racism, sexism, or anti-Semitism.”
Hollander is correct in recognizing that anti-Americanism implies more than taking a critical view of real American shortcomings, but rather has an irrational side. It expresses a sharp distrust and dislike not just of what America sometimes does but of what it is alleged to be-a mighty but willful, arrogant, self-righteous, domineering, and dangerously threatening power. What we confront here are fantasies that posit an untamed, ferocious country, unrestrained by moral conscience or international laws-in short, an “American abomination” or “American peril.” Observing that America is sometimes seen in just such terms, Hollander correctly notes the resemblance of anti-Americanism to other kinds of deeply felt aversions and hostilities, including those that fuel anti-Semitism. The link between these two biases became evident during my time in Germany last spring.

George Bush and Ariel Sharon: Parallel Images

One way to observe this linkage is to reflect on the two figures who, more than any others, seem to occupy the German and general European imagination today as larger-than-life figures of menace: George Bush and Ariel Sharon. Popular images of the American president as a wild man and a warmonger have already been cited. As exaggerated as these are, they are at least matched, and sometimes even superceded in their extremity, by the images projected of Ariel Sharon. Ever since the Israeli prime minister’s visit to Jerusalem’s Temple Mount, on September 28, 2000, Sharon has been regularly described in the German media in terms that demonize him as a “bull,” a “bulldozer,” a “warmonger,” and a “slaughterer.” He has been compared to Hitler and Nero and said to be “Israel’s highest-ranking arsonist.” Other references peg him as a “political pyromaniac,” an ungainly “old war criminal,” a “right-wing extremist,” a “warhorse,” and “catastrophe personified.” In addition to these epithets, Sharon is frequently referred to in terms of his physical traits and mocked as being “constipated” and “pot-bellied,” a “fat, lonely old man’ with the “sluggish gait of an elephant.” He is also described as being “politically deranged” and thirsty for Palestinian blood. (According to Die Welt, “a lot of blood clings to his hands, starting from his Kibiya days in the 1950s, to Sabra and Shatila, up to his most recent provocation in the mosque in [September] 2000.”) In sum, the Israeli prime minister is seen as a loathsome monster running amok, the very personification of “the ugly Israeli.”
Insofar as Ariel Sharon is seen as representative of his country’s Jewish populace, Israeli society too is being portrayed as implacably brutal and as associated with the rule of war criminals. It is little wonder, then, that Israel has taken on something like pariah status and is sometimes even referred to as “the most hated country in the world.”

The distinction of being reviled in such terms is one that Israel shares with only one other country: the United States of America. The two are now commonly denounced as “outlaw nations” or, in the demonology of Muslim orators, as “the Great Satan” and “the Little Satan. (…..)”

 Hier die ganze Publikation lesen: http://www.ajc.org/site/apps/nl/content3.asp?c=ijITI2PHKoG&b=846637&ct=875059&printmode=1

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Michael Moore: Fahrenheit 9/11

December 11th, 2006

Filmkritik: “Fahrenheit 9/11″ von Michael Moore.

Ein Film von und über Michael Moore.

Habe ich mir letztens aus der Videothek ausgeliehen. Hier mein Eindruck vom Film!

    Michael Moore:„Let’s say, the American people pay you 400.000 $ to be president of the United States. But then another group of people [an oil-company] invest in you 1.4 Billion $ over a number of years. Who you’re gonna like?“

Michael Moore hält Sie, liebe Zuschauer, für einen faulen, korrupten Menschen. Nehmen Sie als Beispiel obiges Zitat. In aller Selbstverständlichkeit geht Moore davon aus, dass Sie (und George W. Bush) ohne jegliche Sach- und Gewissensfragen zu stellen die 1.4 Billion Dollar einkassieren würden und willfährig machen würden, was die „group of people“ (gemeint ist hier eine Ölfirma) Ihnen sagt, anstatt ihre Aufgabe als amerikanscher Präsident nach bestem Können und Gewissen zu erfüllen. Michael Moore geht davon aus, dass Sie diese, Moore’s eigene, billige, materialistische Weltsicht teilen und dies obendrein auch dem gesamten Rest der Welt, einschließlich G.W. Bush unterstellen. Und - ja! Solche Unterstellungen wirken, erwecken Emotionen! Sie fühlen sich beleidigt. Sie entdecken während des Films immer mehr, was für eine Nervensäge Michael Moore ist, während er an Ihren Nerven sägt.

Der Film beschäftigt sich mit allen politischen Neid- und Vorurteilsklischees, die ein einfacher Geist zu denken vermag. Filmschnippsel und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate werden pausenlos hintereinandergereiht, um diesem einfachen Weltbild Farbe und der Arbeit Moore’s einen Anstrich von Seriosität zu verleihen.

Das Frauenbild des Michael Moore

Einen Augenblick irritiert ist man im Film, als Britney Spears eingeblendet wird. Blond, reizend und hübsch wie sie nun einmal ist, sagt Fr. Spears in einem CNN-Fernsehinterview, dass sie Präsident Bush ganz und gar vertraut.

CNN: A lot of entertainers have come out against the war in Iraq. Have you?
SPEARS: Honestly, I think we should just trust our president [G. W. Bush] in every decision he makes and should just support that, you know, and be faithful in what happens.
CNN: Do you trust this president?
SPEARS: Yes, I do.

Um diese Szene zu verstehen, muss man einen psychologischen Trick anwenden. Da der gesamte Film versucht, die Integrität von George W. Bush zu demontieren, müssen wir annehmen, dass auch das Bush-solidarische(!) Statement von Britney Spears dazu dienen soll, Bush zu demontieren. Britney äußert sich jedoch nicht negativ, sondern positiv über Bush. Daraus müssen wir schließen, dass Bush an dieser Stelle nicht durch die Aussage, sondern durch die Person Britney Spears diskreditiert werden soll. Michael Moore setzt vollkommen selbstverständlich voraus, dass Frauen, allem voran junge, attraktive, blonde Frauen, nicht ernst genommen werden können und kein politisches Urteilsvermögen haben. Diese frauenfeindliche Einstellung unterstellt er auch Ihnen, dem Zuschauer: Politisches Urteilsvermögen haben nur Nervensägen wie Michael Moore.

Das politische Urteilsvermögen des Michael Moore

Probleme von Armut und großer sozialer Ungerechtigkeit versucht Michael Moore zu lösen, indem er morgens den republikanischen Abgeordneten auf ihrem Weg zur Arbeit auflauert und sie dazu auffordert, ihre Söhne statt auf teure Elite-Schulen in die US-Army und damit in den Irak-Krieg zu schicken. Moore setzt hier voraus, dass nicht er selbst ein übergewichtiger Nichtsnutz ist, der andere von Ihrer Arbeit abhält, Armut und soziale Ungerechtigkeit in den Griff zu kriegen, sondern dass die anderen, also die Söhne der Politiker Nichtsnutze sind, die sich nicht mit den Problemen der Armut und sozialen Ungerechtigkeit auseinandersetzen sondern während ihrer Arbeitszeit … tja was eigentlich … vielleicht sich während der Arbeitszeit politisch fortbilden mit Filmen wie „Fahrenheit 9/11“? Auf die Idee, dass teure Eliteschulen die Kompetenz junger begabter Menschen, Probleme von Armut und sozialer Ungerechtigkeit zukünftig zu lösen möglicherweise deutlich erhöhen, kommt der von Neid und Hass erfüllte Michael Moore nicht, und unterstellt dabei natürlich, dass Sie, liebe Zuschauer, genauso blöd, neid- und hasserfüllt sind wie Moore.*

Politiker, so lernen wir im Film, sind inkompetent, korrupt, gewissenslos und spielen lieber Golf als dass sie das Land regieren. Als man am 11.09.2001 George W. Bush ins Ohr flüsterte, das Land würde von Terroristen angegriffen werden verharrte Bush, so zeigt es der Film, minutenlang in völliger Unfähigkeit, schob das Problem beiseite und beschäftigte sich lieber weiter mit der Zicklein-Geschichte der Grundschüler, anstatt sofort zu handeln. George W. Bush ist ein dümmlich dreinschauender Versager, ein armer Tropf - die Lichtgestalt im Film ist nur einer: Michael Moore. Tapfer deckt er all die Missstände auf. Für Moore dürfen Politiker kein Recht auf Erholung haben, sondern müssen Arbeiten bis zum absoluten Burn Out, egal ob sie dann noch leistungsfähig sind oder nicht. Für Moore darf ein Politiker bei Katastrophenmeldungen auf keinen Fall vollkommen beherrscht reagieren, durchatmen, gefasst bleiben, um überlegt handeln zu können. Für Moore muss statt dessen ein Politiker, der gerade erfahren hat, dass sein Land angegriffen wird, völlig außer Rand und Band geraten, Hals über Kopf mit Schweißperlen auf der Stirn und zerwühltem Haar in Panik aus dem Raum stürzen, oder überhaupt erst einmal vor Schreck in Ohnmacht fallen. Für Moore sollten Politiker nicht vernunftgesteuert, sondern ausschließlich affekt- und emotionsgesteuert handeln. Deshalb gehört die ganze kaltherzige, vernunftgesteuerte Politikerriege ausgetauscht mit Müttern, die in ihrem unendlichem Schmerz, ihren Sohn im Irak verloren zu haben, gerade dabei sind an der Welt zu verzweifeln und zu zerbrechen. Für Moore heißt Würde nicht, einer vor Schmerz zerbrechenden Mutter zu sagen: Ihr Sohn ist nicht umsonst gestorben (wie es G.W.Bush sagt: „… and they will not have died in vain“), sondern für Moore heißt Würde, den Schmerz einer Mutter, die ihren Sohn im Irak verloren hat für seine (Moore’s) niedere Zwecke zu missbrauchen, ihr mit einem aus Versatzstücken zusammengeschusterten Film zu beweisen, wie perfide die Welt ist, zu beweisen, dass ihr Sohn für nichts und wieder nichts gestorben ist, dass die Welt sie und ihren Sohn nichts alt verarscht hat, dass Bush, statt traurig zu sein, lieber Golf spielt oder Geschäfte mich Ölscheichs macht: tja, Pech Muttchen, jetzt isses zu spät mit der Einsicht. Aber gut für Moore’s Film und die Kinokassen.

Fazit:         

Britney and I say: This young man did not die in vain.

Read also: Unfairenheit 9/11 - The lies of Michael Moore. (”… In fact, I don’t think Al Jazeera would, on a bad day, have transmitted anything so utterly propagandistic. …”)

P.S.: Michael Moore Hates America - to watch Video click here and another one here

P.P.S. es gibt auch einen Gegenfilm: Celsius 41.11 (2004), Viel Spaß!

*An dieser Stelle soll auch erinnert werden an die Worte John Kerrys während des Wahlkampfes 2006 in dem er durch das Land reiste und Democrat-Kandidaten unterstützte: solche jungen Menschen, die in der Schule nicht aufpassen, würden schließlich im Irak enden. Und an die Antwort darauf von einer Gruppe US-Soldaten direkt aus dem Irak.

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