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Die interessante Frage (Folge I)

March 3rd, 2009

Heute zum Thema “Was ist der Mensch?”

Warum sind (in den USA) Abtreibungsgegner meist Befürworter der Todesstrafe, während Abtreibungsbefürworter meist Gegner der Todesstrafe sind?


Was ist der Mensch?
(Foto ©Melissa Schalke - Fotolia.com)
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Menschenrechte = Tierrechte?

August 15th, 2008

 
Fotos (c) Kheng Guan Toh und Rafal Glebowski - Fotolia

Einen ausgesprochen guten Artikel zum Thema Menschenrechte und Tierschutz, christliches Menschenbild und dem Menschenbild in einer säkularen Gesellschaft, der auch die Themen Abtreibung und Euthanasie streift und sich mit den Thesen des Philosophen Peter Singer befasst kann man hier lesen.

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Das Böse verstehen?

March 14th, 2008

One can smile and smile and be a villain.”
                    William Shakespeare (Hamlet)


© Pavel Losevsky - Fotolia.com

Ein guter Artikel von neo-neocon zum Thema hier.

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Gespräche mit Satan

February 26th, 2008

Neale Donald Walschs Buch „Conversations with God“ (Gespräche mit Gott) ist ein Millionenbestseller, der in viele Sprachen übersetzt wurde. Über ein Jahr lang war es durchgehend auf der New York Times Bestseller List.

„Den von den Religionen propagierten Gottesvorstellungen setzt Walsch sein zeitgemäßes, psychologisch aufgeklärtes Gottesbild entgegen. Gerade im deutschsprachigen Raum hat sich Walsch damit eine riesige, engagierte Anhänger- und Leserschaft erworben“ heißt es über das Buch im Klappentext.

 

 

Im Buch sagt ‘Gott’, von dem Neale Donald Walsch behauptet, er habe ihm das Buch diktiert:

„Das Böse ist das, was ihr das Böse nennt. Aber selbst das liebe ich, denn nur durch  das, was ihr als das Böse definiert, könnt ihr das Gute erkennen; nur durch das, was ihr das Werk des Teufels nennt, könnt ihr das Werk Gottes erkennen und tun. Ich liebe das Heiße nicht mehr als das Kalte, das Hohe nicht mehr als das Niedrige, das Linke nicht mehr als das Rechte. Es ist alles relativ. Es ist alles Teil dessen, was ist.
Ich liebe das ‚Gute’ nicht mehr als das ‚Schlechte’. Hitler ging in den Himmel ein. Wenn ihr das begreift, begreift ihr Gott.“

Falsch – dann begreifen wir gar nichts mehr und man kann mit uns machen, was man will. Völkermord, Staatsterror, Kindsmisshandlungen – Gott findet laut Neale Donald Walschs pseudo-göttlichen Einflüsterungen alles liebenswert.

Es geht weiter im Text:

„(…) Alles ist im Angesicht Gottes ‚akzeptabel’,“

Wirklich? Gott findet den Völkermord in Darfur akzeptabel? Auf einen solchen Gott verzichte ich gerne.

„denn wie kann Gott nicht das akzeptieren, was ist?“

Indem er es verwerflich findet und ungeheuer wĂĽtend darĂĽber ist.

„(…) Doch haltet an euren Überzeugungen fest und bleibt euren Werten treu, denn es sind die Werte eurer Eltern und eurer Großeltern, eurer Freunde und eurer Gesellschaft.“

Pech nur, wenn man gerade zum Beispiel in Gaza lebt, wo man täglich mit dem plattesten Antisemitismus indoktriniert wird und schon den Kindern eine Karriere als Selbstmordattentäter nahegelegt wird. Aber sowas tangiert Neale Donald Walsch nicht, denn sein Gott erklärt uns auch, warum das alles wert ist, daran festzuhalten:

„Sie [die Überzeugungen und Werte] bilden die Struktur eures Lebens, und ihr Verlust würde die Auflösung des Stoffs eurer Erfahrung bedeuten.“

Na super! Darfur als Werkstatt der Selbsterfahrung! Und nach 20 Jahren sowjetischem Gulag haben sich die Leute bestimmt irre erfahren gefĂĽhlt (vorausgesetzt, sie haben so lange ĂĽberlebt).

In einer Welt wie unserer, in der das Christentum als dominierende Kraft keine tragende Rolle mehr spielt,  stehen solchen Büchern Tür und Tor offen. Ich sehe das als Gefahr! Denn solche pseudoreligiöse, werterelativierende Lektüre verblödet die Menschen und schwächt ihre Urteilskraft und ihren Mut zu urteilen! Da alles in einem göttlichen, wertelosen Einheitsbrei aufgelöst wird, in welchem die einzig existierende Sünde  darin besteht, Handlungen und Zustände als gut oder böse zu beurteilen, kann das Böse nicht mehr erkannt werden. Statt dessen wird der, der das Böse beim Namen nennt als verwerflich anmaßend angesehen.

Die eitle Zufriedenheit über die scheinbar aufgeklärte Gebildetheit, die ich in manchen von mir verlinkten Blogs (siehe Blogroll) beim Christentums-Bashing beobachte, kann ich nicht nachvollziehen! Für mich ist der Verlust von Gott als die moralische Instanz eine äußerst gefährliche Entwicklung, vor der wir uns fürchten sollten. Die Anzahl der Menschen, die durch säkulare Regimes gefoltert oder getötet wurden übersteigt ganz überproportional die Anzahl der Menschen, die im Laufe der Geschichte des Christentums gefoltert oder getötet wurden. Die Entstehung der Demokratie und die Proklamierung der Menschenrechte sind ohne den verbindlichen christlich-jüdischen Wertekanon nicht denkbar.

„Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“ 2. Mose 20,7

 

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Das Böse benennen

February 26th, 2008


© herb - Fotolia.com                      “böse”?

Eine gute Freundin von mir liebäugelt mit der Partei „Die Linke“. Wir haben in beinahe allen Fragen zum Weltgeschehens und des Menschenbildes vollkommen entgegengesetzte Positionen. Aber sie ist eine der wenigen Personen, mit der man sich bei einer Tasse Tee vergnüglich so richtig kontrovers heiß diskutieren kann, ohne dass man um die Freundschaft fürchten muss.

Am Sonntag haben wir telefoniert.

Moralische Urteile dürfe man nicht fällen, sagte sie. Und „das Böse“ sei schon einmal ganz und gar ein unmöglicher Begriff.

Gut, sagte ich, dann stelle ich Dir jetzt eine Frage, die Du mit nur einem einzigen Wort beantworten darfst. OK?

SchieĂź los, sagte sie.

„Waren die Nazis böse? Ja oder nein?“

Meine Freundin sagte im Stakkato: Auf sowas könne sie sich nicht einlassen denn das mĂĽsse man alles viel differenzierter betrachten und man mĂĽsse unterscheiden und…
… mir schoss der Begriff „Autobahn“ durch den Kopf, ein bekanntlich stark verfänglicher Stolperstein und so lenkte ich ein und stellte in einem neuen Versuch die ultimativ einfachst zu beantwortende Frage der Welt:

„War Hitler böse?“

Also auf solche plakativen Fragespiele könne sie nicht so einfach antworten, das sei alles viel zu vereinfacht und…

„War Hitler böse? Ja oder Nein?“

Sie konnte und wollte die Frage nicht mit einem einfachen „Ja“ beantworten.

Ich fühlte mich natürlich extrem bestätigt in meiner Annahme, dass „links denken“ nicht nur bedeutet, bestimmte gesellschaftliche Probleme auf eine bestimmte Art und Weise lösen zu wollen, sondern dass dem auch ein komplett anderer „Mindset“, eine andere Grundhaltung, eine andere Art, über die Welt zu denken, zu Grunde liegt.
Mein Eindruck ist, dass es eine steigende Werterelativierung gibt und insbesondere eine Werte-Verwirrung, insbesondere im linken oder atheistischen oder agnostischen oder esoterisch-pseudoreligiösen Spektrum.

Der Fortlauf des Gesprächs war dann aber interessant und erhellend. Es stellte sich nämlich heraus, dass meine Freundin Hitlers Handlungen als „falsch“ bewerten würde (die Worte „gut“ und „böse“ wollte sie nicht verwenden), während sie sich agnostisch gab zur Person Hitlers, d.h. behauptete, dass sie  nicht wissen könne, was Hitler im Innersten dazu trieb, auf diese falsche Art und Weise zu handeln. Da Hitlers Handlungen extrem „falsch“ waren, wäre sie auch bereit gewesen, ihn zu erschießen, um größeres Unheil abzuwenden. Das heißt, meine Freundin unterschied zwischen den Handlungen eines Menschen und dem Menschen als Person.

Und am Rande dieses Punktes fanden wir eine kleine Gemeinsamkeit. Denn auch ich denke, dass man das allerletzte Urteil über einen Menschen Gott überlassen muss, weil wir als fehlbare Menschen immer in Gefahr sind, uns irren zu können.

Der Unterschied zwischen meiner Freundin und mir ist, dass ich meine, man kann (und darf und muss) mit großer Wahrscheinlichkeit von den Taten eines Menschen moralisch auf die Person schließen und – gottähnlich – eine Person als „gut“ oder „böse“ bezeichnen, wobei man die menschliche Fehlbarkeit in Kauf nehmen muss, während meine Freundin sich dieses Urteils prinzipiell verweigerte. Im Grunde genommen bedeutet dies, dass ich einen viel größeren Glauben an die Freiheit des menschlichen Willens habe und an die prinzipielle Möglichkeit des Menschen, erkennen zu können, was gut und böse ist, als meine Freundin.

Leider führt diese demütige (oder feige?) Haltung, sich eines Urteils über einen Menschen oder gar über ein Terror-Regime prinzipiell zu verweigern, zu einer Lähmung. Wenn man grundsätzlich nicht mehr benennen kann, wer/was gut oder böse ist, wird es schwer, Orientierung in der Welt zu finden und Wertvorstellungen weiterzugeben, ganz zu schweigen davon, dem Bösen aktiv Einhalt zu gebieten. (Siehe der pseudo-empörte, feige und nur vermeintlich gebildete, vielmehr stark verwirrte Aufschrei über Bushs Schlagwort „Die Achse des Bösen“.)

Deshalb hier an alle, die kein moralisches Urteil über andere Menschen/Regierungen fällen mögen:
Die Wahrscheinlichkeit, dass Hitler (Stalin, Mao, Hussein, Yong-il, Ahmadinejad etc) in irgendeiner uns verborgenen Weise derart determiniert war, dass ihm keine Schuld zukommen kann und er daher nicht in der Hölle schmort sondern auf einem Wölkchen Harfe spielend frohlockt, liegt nur ca. bei 0,000000000000000000000000001 % würde ich sagen, weshalb wir getrost sagen dürfen: Hitler war böse. Und moralisch gesehen entsprechend hätten handeln müssen.

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Nachdenken über das Böse

June 30th, 2007

Der Fall des 17-jährigen Felix aus Tessin, einem Gymnasiasten aus harmonischem, links-bürgerlich orientiertem und sozial engagiertem Elternhaus, der zusammen mit einem Freund mit Messern bewaffnet ein Ehepaar zu Hause überfiel und grausam zu Tode metzelte beschäftigt mich gedanklich. Zumindest als Anlass.

Weil an diesem Fall die Kluft so offensichtlich ist. Die Kluft zwischen Erklärbarkeit und Sinnlosigkeit, zwischen Schlechtem und Bösem. Der qualitative Sprung, der zwischen Frustration, Pubertätskrise, Hormonschüben und sadistischem Mord liegt, und der letztendlich nicht aufgelöst werden kann in Erklärungsmuster der Psychologie und Soziologie.

Es ist eben nicht alles erklärbar. Das ist es, was an diesem Fall so überdeutlich ist. Die Tat ist so monströs, dass alle Erklärungen scheitern. Man steht davor mit hilflosem Entsetzen.

Als G.W.Bush von der „Achse des Bösen“ sprach, löste dies hierzulande tiefste Empörung aus. Aber ist das nicht ähnlich? Bezeichnet nicht der Begriff „das Böse“ diese Leerstelle, die Kluft, den Quantensprung vom Schlechten zum Bösen, der nicht mehr auflösbar, nicht rational erklärbar ist?

Wann wird ein Mensch zum Terroristen? Auch hier sehe ich einen nicht auflösbaren Sprung, eine Lücke zwischen – begründbarem oder fehlgeleitetem -Gerechtigkeitsempfinden und dem Mord an Unschuldigen.

Und kann nicht auch ein Staat sich in dieser Weise gegen seine BĂĽrger richten? Das ist das Kennzeichen eines Terrorregimes, wie es z.B. Saddam Husseins Regime war, sowie die afghanischen Taliban.

In unserer vollkommen säkular orientierten Gesellschaft stößt natürlich der Begriff des „Bösen“ (z.B. in „Achse des Bösen“) auf tiefstes Unverständnis.

Aber ist es nicht richtig, auch im großen Zusammenhang diesen über irdische Erklärungsmuster hinausweisenden Begriff des „Bösen“ zu verwenden? Gerade weil er eine Leerstelle benennt, weil er etwas Irrationales beinhaltet, etwas, das an die Existenz von übergeordneten Werten, an die Orientierung am Guten, theologisch ausgedrückt an Gott als jeweiligen Gegenpol erinnert? Gerade weil der Begriff des „Bösen“ so unbefriedigend ist, weil er eben nichts erklärt?

Gestern las ich in den Flugblättern der studentischen Freundes- und Widerstandsgruppe „Weißen Rose“ (mit welchen ich mich gerade aus beruflichen Gründen beschäftige) von 1943 folgende Sätze:

„Unser heutiger „Staat“ aber ist die Diktatur des Bösen.“ [Flugblatt III]

„Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist eine Lüge: Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl muss man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen logischen Überlegungen, steht das Irrationale, d.i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichristen. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo eigenmächtig verlässt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von den Mächtigen höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit – (…)“ [Flugblatt IV]

Auch hier finde ich den Gedanken des „Bösen“ als etwas Irrationales, Überirdisches, Metaphysisches. Um Missverständnisse auszuschließen: ich verstehe das Böse nicht als eine Gott ebenbürtig gegenüberstehende Entität. Das heißt, ich glaube nicht an zwei Götter, einem dunklen und einem hellen.
Das Bild von Satan als sich von Gott abwendendem (‚gefallenem’) Engel ist hilfreich.

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