Ich verfolge ab und zu amerikanische Diskussionen zur Präsidentschafts-Vorwahl, bei der es darum geht, welcher Kandidat zur Wahl aufgestellt werden soll. Bei den US-Republikanern ist für viele Wähler ein ausschlaggebender Punkt: “Are you pro-life?” Das heißt, welche Haltung hat der Kandidat zum Thema Abtreibung? Für viele Republikaner ist Rudy Giuliani deshalb ein Problem, weil er – wie die Mehrheit der Demokraten - “pro-choice” ist, das heißt für die freie Wahl der Frau für bzw. gegen eine Abtreibung.
Bei uns ist das Thema Abtreibung politisch schon lange kein Thema mehr und faktisch ist eine Abtreibung quasi eine Selbstverständlichkeit. Nicht für ex-blond. Im praktischen Leben halte ich mich zu diesem Thema sehr zurück, aber hier im anonymen Blog kann ich schreiben, was ich darüber denke.
Ich kenne fast nur Frauen, die in ihrem Leben schon einmal abgetrieben haben. Und bei keiner einzigen davon kann ich es verstehen. Besser gesagt: bei keiner einzigen halte ich es für moralisch vertretbar. Denn bei keiner davon entschied die Verantwortlichkeit für das Kind. Sondern die Verantwortlichkeit ausschließlich für sich selbst.
“Mein Bauch gehört mir” stimmt nur solange kein Kind im Bauch ist. Sobald ein Kind da ist, geht es um zwei Leben, und das eine, nämlich das Leben der Austragenden ist verantwortlich für das entstehende Leben.
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Abtreibung 8.te Woche
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Sozialer Abstieg
Meine Freundin G. war seit einem Jahr geschieden. Auf einer Party war sie unvorsichtig mit einem Mann, den sie dort gerade kennengelernten hatte und der kein Kondom dabei hatte. Sie wurde sofort schwanger und wollte abtreiben, aus Verzweiflung. Sie war gerade erst einer missglückten Ehe entronnen und wollte nicht ihre gerade gewonne Freiheit durch einen neue unfreie Situation, gebunden an ein Baby wieder aufgeben! Außerdem wollte sie eine Ausbildung machen. Sie besuchte eine Joga-Lehrerin, die ihr Übungen zeigte, die einen Abgang fördern sollten. Joga für Abtreibung. G. machte diese Gymnastik jeden Tag, in der Hoffnung, der Fötus würde von selbst sterben. Ihr Gewissen plagte sie aber zunehmend. Deshalb betete sie in einer Nachts und bat Gott, ihr ein deutliches Zeichen zu geben, wenn das Kind leben soll, wenn es wirklich leben will, ein Zeichen noch in dieser Nacht. Sie schlief ein und inmitten genau dieser Nacht ging plötzlich die Feueralarmsirene für ihren Ort, der unmittelbar in der Nähe ihres Hauses stationiert war, mit ohrenbetäubender Lautstärke los. Ein Fehlalarm. Zufall oder Fingerzeig? In jedem Fall entschloss G. sich, das Kind nicht abzutreiben. Für sie war es klar, dass ihr Kind einen starken Lebenswillen hat, nachdem es nicht durch die Joga-Übungen abging und nachdem die Alarmsirene nachts losging. Heute ist ihre bildhübsche Tochter 14 Jahre alt. G. war zunächst jahrelang sozialhilfeabhängig, hat dann noch eine Ausbildung, finanziert vom Arbeitsamt gemacht unter großem Stress durch die Doppelrolle als Vollzeitbeschäftigte und alleinerziehende Mutter, war nach der Ausbildung aber wieder arbeitslos und lebt seither, unterbrochen von kurzen Gelegenheitsjobs von Sozialhilfe (mittlerweile AG II).
Ich denke, die Chance auf eine neues Leben, auf berufliche Entfaltung und Neubeginn nach ihrer Scheidung hatte sie durch das ungewollte Kind, entstanden auf einer Party mit einem Mann, den sie gerade ein paar Stunden kannte, vertan.
Das ist aber kein Argument für eine Abtreibung.
Hass und Ekel
Den Zustand der Schwangerschaft fand ich nicht sehr schön. Natürlich ist es toll, wenn man fühlt, dass im Bauch ein Kind strampelt. Das ist großartig. Meistens habe ich mich auf mein Kind gefreut. Aber manchmal hatte ich das Gefühl, in meinem Bauch wächst ein riesig großes feindliches Krebsgeschwür, das mir der Vater des Kindes implementiert hat, der mich sofort verlassen hatte, sobald er erfuhr, dass ich (ungewollt) schwanger war. Wenn ein Mann eine Frau verlässt, wenn sie schwanger ist, der er zuvor Liebe geschworen hat, ist das psychisch und geistig brutal und fühlt sich extrem feindlich an. Als schwangere Frau hat man überhaupt keine Chance, dieses Kapitel abzuschließen, was ja, wenn man verliebt ist auch ohne Kind im Bauch bekanntlich schwierig und schmerzhaft ist. Mit Kind im Bauch trägt man aber immer irgendwie einen Teil des Vaters mit sich herum, es wächst an intimster Stelle und ist mit den zärtlichsten und innerlichsten Gefühlen verbunden. Ich hatte also zerrissene Gefühle dem werdenden Kind in meinem Leib gegenüber – da ich aber von Natur aus ein hoch optimistischer Mensch bin, überwogen die positiven Gefühle bei weitem die Gefühle des Hasses oder Ekels. Letztere hatte ich nur in schlechten Momenten.
Auch letztere sind kein Argument für eine Abtreibung. Es sind nur Gefühle, und nur meine Gefühle.
Körperliche Makel
Aber auch ästhetisch ist eine Schwangerschaft ein Desaster. Ich finde Schwangeren-Bäuche einfach unästhetisch. Scheußlich, irgendwie pervers sieht das aus. Ich habe versucht das nicht zu finden, sondern den Bauch von hochschwangeren Frauen incl. meines Bauches schön zu finden, naturverbunden-romantisch; ich habe es letztendlich nicht geschafft.
Die Geburt war eher schwer, mein Kind wog 4670 Gramm. Kein Schreibfehler!Außerdem wäre ich fast verblutet. Gott sei Dank habe ich keine Hausgeburt gemacht, wie ich das als Öko vorher eigentlich tun wollte!
Resultat meiner Schwangerschaft war, körperlich gesehen, dass mein Bauch von Schwangerschaftsstreifen übersäht und stellenweise zerknittert war, nie wieder so flach wurde wie zuvor, und ich fortan nicht mehr soviel essen konnte, wie ich wollte: mein Körper neigte ab sofort dazu, an Gewicht zuzulegen, wenn ich zuviel Schokolade aß. Vorher undenkbar.
Auch ästhetische Einbußen sind kein Argument für eine Abtreibung. Denn es geht dabei nicht um das eigenen Leben und um die eigenen Lebenspläne.
Eine Heldin
Ich war in einer Geburtsvorbereitungsgruppe für alleinstehende Schwangere. Von uns war sich nur M. nicht sicher, ob sie ihr Kind behalten wollte, aber sie konnte sich auch nicht vorstellen, abzutreiben. Mit Hilfe unserer Gruppenleiterin lernte sie eine Familie kennen, die bereits zwei eigene Kinder hatte und noch ein drittes Kind adoptieren wollte. Es war eine sehr nette Familie, die mit Kühen, Hühnern usw. auf dem Land wohnte. M. besuchte die Familie ein paar Mal und hatte ein gutes Gefühl. Sie war sich bis zuletzt nicht ganz sicher, ob sie ihr Kind abgeben würde oder doch behalten würde. Bei der Geburt hielt sie ihren Sohn kurz im Arm und gab ihn dann eigenhändig in die Arme der ‚neuen‘ Mutter. Es muss sehr ergreifend und harmonisch gewesen sein, S., unsere Gruppenleiterin erzählte das später, sie war bei der Geburt dabei.
Ich finde das ist sehr mutig von M. und zeugt von größter innerer Seelenstärke. M. ist für mich bis heute so etwas wie eine Heldin.
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Das Standardargument für Abtreibung
von finanziell relativ gesicherten, beruflich etablierten, intellektuell regen, gebildeten, umweltwussten, weltfriedenwünschenden Frauen
Hier kommt das Argument für Abtreibung, das Standardargument, das ich von allen Frauen, die ich kenne und die abgetrieben haben, gehört habe:
“Freigabe zur Adoption kommt für mich nicht in Frage. Ich könnte nicht damit leben, zu wissen, dass irgendwo auf der Welt ein Kind von mir lebt”
Dieses Argument ist Standard. Es ist das egoistischste, was ich mir nur vorstellen kann. Ich kann es überhaupt nicht begreifen! Bis heute nicht! Keinen Deut!
Die nettesten, friedliebensten, freakigsten, intelligentesten, warmherzigsten Frauen argumentieren so!!!
Unbegreiflich!!!!!
Es ist reiner, purer Egoismus!
Ich glaube, 99 % aller Abtreibungen werden aus egoistischen Motiven gemacht. Dabei machen es sich die Frauen durchaus nicht einfach. Aber letztendlich belügen sie sich bei einer Entscheidung zur Abtreibung selbst.
Ich finde, Adoption ist eine ideale Alternative. In meinen Augen muss sich M. und alle Frauen, die sich für eine Adoptionsfreigabe entscheiden, nichts, aber auch gar gar nichts vorwerfen, niemals, ganz im Gegenteil. Das ist eine hoch verantwortliche, lebensbejahende Entscheidung.
Für mich gibt es also nur die beiden Möglichkeiten: Adoption oder das Kind selbst erziehen. Eine Abtreibung kommt nur in den seltensten Ausnahmefällen eventuell in Frage.
Leider sind Abtreibungen bei uns in der Gesellschaft fast schon selbstverständlich. Als ich mich zur Schwangerenberatung an die Beratungsstelle “Pro Familia” wandte, versuchte mich die Beraterin die erste Viertelstunde davon zu überzeugen, abzutreiben. Als ich meinem Frauenarzt sagte, ich sei schwanger, war seine erste (!) Frage: “Wollen Sie das Kind behalten?”
Aus meiner eigenen Lebenserfahrung heraus (ungewollt schwanger, noch keine Ausbildung, Mann verlässt mich gleich, alleinerziehend) muss ich sagen, ist eine ungewollte Schwangerschaft ohne stabilen Hintergrund wie verlässliche Partnerschaft, finanzielle Sicherheit oder wenigstens Aussicht auf Sicherheit sehr zum Nachteil. Es gibt äußerlich wenig dabei zu gewinnen, ein Kind durchkreuzt die Lebenspläne andauernd, jahrelang, die Doppelrolle Mutter – Berufstätige – und event. auch noch Liebhaberin eines potentiellen neuen Partners ist extrem stresslastig. Innerlich gibt es dabei letztendlich zu gewinnen: ein wenig Weisheit.
Damit kein Missverständnis entsteht: ich äußere meine Meinung zum Thema Abtreibung im praktischen täglichen Leben nie oder nur mit äußerster Rücksichtsnahme. V.a. gegenüber Frauen, die abgetrieben haben, äußere ich nicht, was ich denke, weil ich weiß, dass es für viele Frauen im Nachhinein schwer ist, mit einer Abtreibung zu leben, weil sich ihr Gewissen durchsetzt, oder, die egostische Variante: weil sie das Gefühl haben, etwas auf dem Jahrmakt des Lebens verpasst zu haben.
Hier noch Infos zum Thema Adoption: http://www.pro-leben.de/abtr/adoption.php
Hier ein englischer Artikel einer Frau, die ihr Kind zur Adoption freigegeben hat und sich psychisch davon nie wieder erholt hat, sehr gelitten hat: http://shakespearessister.blogspot.com/2009/03/breaking-silence-on-living-pro-lifers.html - sehr lesenswert. Wenn man sich für eine Adoption entscheidet, sollte man das gelesen haben und sich damit auseinandersetzen, sowie man auch vom sog. Post-Abortion-Syndrome Bescheid gehört haben sollte, wenn man mit dem Gedanken einer Abtreibung spielt. Ich bin trotzdem 100% pro Adoption (und 100% gegen Abtreibung), denn das Kind hat auch ein Recht ein Leben - es geht nicht nur um die Mutter.
Und hier noch ein Filmtipp zum Thema: http://ex-blond.com/?p=157Â (Juno)
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